Mitnaschen am Risikokapital

24. September 2007, 15:21
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Die Heuschreckendebatte hat Anbietern von Private-Equity-Fonds nicht geschadet. Hierzulande kommt das Geschäft erst so richtig in Gang

Eine jüngere Nachricht war eher eine der schmeichelhafteren, wenn man die vergangenen zwei Jahre in Sachen Finanzinvestoren Revue passieren lässt. Ein Konsortium von Finanzinvestoren um Kohlberg Kravis Roberts (KKR) und Texas Pacific Group übernimmt den texanischen Stromkonzern TXU um 45 Milliarden US-Dollar. Um ihr Ziel zu erreichen mussten die beiden Investoren allerdings zwei Umweltgruppen versprechen, acht von elf geplanten Kohlekraftwerden nicht zu bauen. Im Gegenzug wollten die Ökologen ihre Kampagne gegen den bisher wegen seiner aggressiven Geschäftspolitik umstrittenen Konzern einstellen. Der Verzicht wurde zum entscheiden Punkt in dem Deal beschied die "Süddeutsche Zeitung" unter dem Titel "Grüne Heuschrecken."

Die Debatte ob Finanzinvestoren über Unternehmen wie die „Heuschrecken“ herfallen, wie 2005 der damalige deutsche SPD-Chef Franz Müntefering sich empörte oder ihr Nutzen für die solcherart bedienten Unternehmen hoch ist, ist noch nicht eindeutig entschieden. Private-Equity-Firmen brauchen schelle und hohe Renditen, um die Schulden bedienen zu können, die sie dem Unternehmen aufbürden, um in angemessener Zeit das Geschäft auch wieder verkaufen zu können, lautet die Einschätzung der Skeptiker, die durch die Praxis leider auch immer wieder bestätigt wurde. Vizekanzler Franz Müntefering hat Beteiligungsgesellschaften als gierige Investoren bezeichnet, die wie die "Heuschrecken" Firmen "abgrasten", Arbeitsplätze vernichteten und danach weiterzögen.

Mehr Nutzen als Schaden

Die Antwort der Branche ist nicht ausgeblieben. So hat der Verband European Private Equity and Venture Capital Association (EVCA) eine Studie in Auftrag gegeben, die einer breiten Öffentlichkeit den positiven Einfluss von Beteiligungskapital auf die volkswirtschaftliche Entwicklung und vor allem auf die Beschäftigung aufzeigen soll. Sie belegt, dass Firmen, die mit Private Equity finanziert wurden, ein überdurchschnittliches Wachstum aufwiesen, hohe Investitionen tätigten und mehr Arbeitsplätze schufen als die übrigen Unternehmen. "Die Zielfonds gehen mit den Unternehmen eine Partnerschaft auf Zeit ein. Sie stellen neben den finanziellen Mitteln ihre Fachkompetenz, ihre Branchenexpertise und ihr Netzwerk zur Verfügung. Gemeinsam mit dem Management und den Mitarbeitern schaffen sie so einen deutlichen Mehrwert für die Unternehmen – und die Anleger" sagt Peter Maierhofer, Vorstand von Münchmeyer Petersen Capital (MPC) Austria.

Andreas Zak, Geschäftsführer vom Private-Equity-Spezialist RWB Austria schlägt in die gleiche Kerbe. Dank dem Beitrag von Private-Equity-Fonds sei in den Jahren 2000 bis 2004 in Europa eine Million neue Arbeitsplätze entstanden. Das Thema sei jedenfalls im mitteleuropäischen Raum im Aufschwung. Neu ist, dass auch Privatanleger am Kuchen mitnaschen können. Die RWB Private Capital Fonds sind als Dachfonds konzipiert "da nur diese Beteiligungsform für den Privatanleger einen sinnvollen Zugang zur Anlageklasse Private Equity ermöglicht," so Zak.

Wo investiert wird

Der RWB Private Capital Fonds III, der aktuell auch in Österreich gezeichnet werden kann, ist in 22 Zielfonds investiert. Zu den Zielunternehmen zählen laut RWB das Logistikunternehmen TNT (im Portfolio des Zielfonds Apollo VI), der Medienkonzern ProSiebenSat1 (KKR Europe II), Europas größtes Entsorgungsunternehmen AVR (KKR Europe II), der deutsche Spielfigurenhersteller Schleich (HgCapital 5) oder der Berliner Verlag (VSS IV). Die Direktbeteiligung am Eigenkapital eines einzelnen, nicht börsennotierten Unternehmens hält er "wegen des sehr hohen Ausfallrisikos für Privatanleger grundsätzlich nicht geeignet." Der Global Equity 9 von MPC sieht gleich gewichtete Investitionen in die vier Partnerfunds Doughty Hanson V, GB Deutschland (Granville Baird), EquiVest II und PPM Capital Fund vor. Die wiederum investieren das Beteiligungskapital in ein Portfolio aus bis zu 60 ausgewählten Unternehmen verschiedener europäischer Regionen und Branchen. Zu den Unternehmen, an denen MPC über die Zielfonds beteiligt ist, zählt zum Beispiel die spanische Avanza-Gruppe, das größte Busunternehmen in Spanien, das Orthopädietechnik-Unternehmen Amoena mit Sitz in Raubling. Das Unternehmen ist der weltgrößte Hersteller von Brustprothesen für Frauen.

Lange Laufzeit

Wer auf den Geschmack kommt, sollte bereits etwas Kleingeld gespart haben. Fonds von RWB haben mit einer Einmaleinlage von mindestens 2.500 Euro ein relativ niedriges Einstiegslimit, bei MPC bilden 10.000 Euro die Untergrenze. Zu beachten ist auch die relativ lange Laufzeit. Bei MPC kommt sie etwa auf 10 Jahre, der RWB-Fonds läuft bis 2020. Die Managementgebühr liegt bei unter zwei Prozent, Depotgebühren fallen nicht an. Der Käufer muss mit fünf Prozent Agio beim Kauf rechnen. "Aufgrund ihrer weitgehenden Unabhängigkeit von den Aktienmärkten sind Private Equity-Investitionen sehr gut als Beimischung bestehender Portefeuilles aus klassischen Wertpapieren und Renten geeignet", empfiehlt Maierhofer von MPC. 15 bis 20 Prozent Rendite pro Jahr will man erwirtschaften, einen zweistelligen Betrag hat auch RWB ins Auge gefasst. Die Heuschreckendebatte hat beiden nach eigenen Aussagen nicht geschadet. Im Gegenteil, die Aufmerksamkeit habe eher zugenommen. (rb)

  • Experten wollen wissen, dass die langfristige Durchschnittsrendite von Private Equity um drei bis fünf Prozent über jener am Aktienmarkt liegt.
    foto: mpc

    Experten wollen wissen, dass die langfristige Durchschnittsrendite von Private Equity um drei bis fünf Prozent über jener am Aktienmarkt liegt.

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