Klang und Optik großen Duo-Spiels

23. März 2007, 14:40
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Wenn Heinrich Schiff und Till Fellner das Podium des Mozartsaales in Besitz und in Betrieb nehmen, bringt dies nicht nur den erwarteten musikalischen Fruchtgenuss

Wien – Bevor man sich dessen noch überhaupt erfreuen kann, sind allein schon die optischen Eindrücke, die der pittoreske Auftritt der beiden vermittelt, von ganz und gar nicht zu unterschätzendem Reiz.

Scheint es nämlich einerseits, als wären Heinrich Schiff und sein Cello zu siamesischen Zwillingen verwachsen, so liefert Till Fellner das Kontrastprogramm. Man muss ja nicht gleich an Stan Laurel und Oliver Hardy denken, wenn man die beiden anrücken sieht, aber vielleicht doch an ein anderes Gegensatzpaar, mit dem verglichen zu werden sogar höchst schmeichelhaft ist. Gemeint sind Florestan und Eusebius, in die Robert Schumann in seinen frühen Jahren als Musikkritiker wie als Komponist seine Persönlichkeit splittete. So mochte man vermuten, dass Heinrich Schiff die Rolle des emotionsgeladenen, dionysischen Florestan und Till Fellner jene des besonnenen, um das rechte Maß bedachten, apollinischen Eusebius zufalle.

Das Schöne an der Kunst und eines ihrer untrüglichen Insignien bleibt allerdings der Umstand, dass sie im Grunde immer unberechenbar bleibt. Florestan Schiff entpuppte sich nämlich gleich im ersten Werk des Abends, Igor Strawinskis Suite italienne, als verzaubernder Eusebius. Die filigranen melodischen Kunstfiguren blieben durch die meisterliche Weise, mit der Heinrich Schiff auch an der Grenze des Hörbaren noch ein Höchstmaß an Intensität erreicht und aufrechterhält, in all ihrer, man könnte fast sagen: surrealen Zerbrechlichkeit vollkommen unversehrt.

Auftakt als Höhepunkt

Wohl auch dank der stilistisch kongruenten Diskretion, mit der Till Fellner diesen Eindruck vom Klavier aus ergänzte, blieb der Auftakt in seiner unantastbaren Vollkommenheit gleichzeitig auch der Höhepunkt des Abends.

Dies nicht zuletzt deshalb, weil das zweite der so genannten Moderne zuzurechnende Werk, obwohl jüngeren Datums, Witold Lutoslawskis Grave aus dem Jahr 1981, nicht von identer innerer Konsequenz ist. Erliegt doch dieser ansonsten so imponierend asketische polnische Großmeister der Versuchung, der kulinarischen Äußerlichkeit Tribut zu zollen. Was Schiff bestens zu nutzen wusste. Mit Ludwig van Beethovens Violoncellosonate in A-Dur (op. 69) und der F-Dur-Sonate von Johannes Brahms (op.99) wurde das gängige Konzertrepertoire erlebnisintensiv bedient, wofür das Publikum jubelnd zu danken wusste. (Peter Vujica / DER STANDARD, Printausgabe, 16./17.03.2007)

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