Zahl und nenn es dein

16. März 2007, 19:19
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Wie Martial "Menschenraub" widerfuhr

Der virtuelle Pfad zum Plagiat führt oft über Google. Flugs die akute Wissenslücke eingetippt, muss nicht mal richtig sein, Google nennt nahe liegende Verschreiber, klick, und schon zeigt der Wegpfeiler nach Wikipedia-Land. Jenes verheißungsvolle Schlaraffenland für digitale Weltenbummler, wo üppige Informationsströme fließen: Wikipedia stillt Bildungshunger und Wissensdurst - und auch die Gier nach zwei, drei schicken Buchstaben für die Visitenkarte. Es wird kopiert, geklaut, plagiiert.

Woher aber kommt das "Plagiat"? "Die freie Enzyklopädie" weiß zu berichten: Der römische Dichter Martial hörte im ersten Jahrhundert n. Chr. seine Verse verdutzt unter dem Autornamen "Fidentinus". Dieser Herr Ehrlich gab Martials Kreativwerk als sein eigenes aus. Das empfand Martial wie den Raub von Kindern oder die Entführung freier Menschen in die Sklaverei (lat. plagium, "Menschenraub") und zürnte mit Epigrammata wie diesem: "Man berichtet mir, Fidentinus, dass du meine Gedichte dem Volk als deine eigenen vorträgst. Wenn du sie meine nennst, schicke ich dir umsonst meine Gedichte. Wenn du sie deine nennst, bezahle, damit sie nicht mehr meine sind." (nim/DER STANDARD Printausgabe, 17./18. März 2007)

  • Martial, seiner Verse beraubter Dichter in Rom.
    foto: standard

    Martial, seiner Verse beraubter Dichter in Rom.

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