Michael "Bommi" Baumann war der Mann fürs Grobe

16. März 2007, 19:40
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Er war der Mann fürs Grobe: Michael Baumann, gelernter Betonbauer, der mit Sprengstoff umzugehen wusste und daher den Spitznamen "Bommi" bekam. Der Berliner (Jahrgang 1948) engagierte sich in der Stadtguerillagruppe "Bewegung 2. Juni". Diese Terrorgruppe benannte sich nach den Geschehnissen am 2. Juni 1967, als der Student Benno Ohnesorg bei einer Demonstration gegen den Besuch des Schahs von Persien von der Polizei erschossen wurde.

Auf das Konto der "Bewegung 2. Juni" gehen nicht nur mehrere Sprengstoffanschläge und Banküberfälle, sondern auch die Entführung des Berliner CDU-Politikers Peter Lorenz 1975. In diesem Jahr erschien auch Baumanns Autobiografie Wie alles anfing*. Er selbst war zu dieser Zeit schon auf der Flucht. Dem bewaffneten Kampf hatte er abgeschworen, als sein Freund Georg von Rauch bei einer Polizeikontrolle erschossen wurde. In einem Interview mit dem Spiegel ("Freunde, schmeißt die Knarre weg") rief Bommi Baumann 1974 aus dem Untergrund zum Gewaltverzicht auf.

Die "Bewegung 2. Juni" hatte enge Kontakte zur RAF ("Rote Armee Fraktion"), die 1970 unter anderem von Ulrike Meinhof, Andreas Baader und Gudrun Ensslin gegründet wurde. Diese erste Generation der RAF, die bei Bombenanschlägen vier Menschen getötet hatte, war ab 1972 in Stuttgart-Stammheim inhaftiert.

Der zweiten Generation der RAF gehörten Brigitte Mohnhaupt und Christian Klar an, deren vorzeitige Freilassung in Deutschland derzeit heftig diskutiert wird. Die beiden wurden für die Morde an Generalbundesanwalt Siegfried Buback, Dresdner-Bank-Chef Jürgen Ponto und Arbeitgeberpräsident Hanns-Martin Schleyer im Jahr 1977 ("Deutscher Herbst") verurteilt.

Durch die Verschleppung Schleyers und die Entführung der Lufthansa-Maschine "Landshut" sollten die Gefangenen der ersten RAF-Generation freigepresst werden. Als das misslang, begingen die Inhaftierten Selbstmord.

Bommi Baumann war 1977 immer noch auf der Flucht. Er wurde 1981 in London gefasst und verbüßte danach eine fünfjährige Freiheitsstrafe wegen Banküberfalls und Sprengstoffattentaten. Er lebt heute in Berlin. (Birgit Baumann/DER STANDARD, ALBUM, 17./18.3.2007)

Bommi Baumann, Wie alles anfing (mit einem Vorwort von Heinrich Böll), € 9,90/167 Seiten. Das Buch erscheint am 20. März als Neuausgabe im Rotbuch-Verlag als biografisches Dokument aus Anlass 30 Jahre "Deutscher Herbst".
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