"Princesas": Hoffen auf Normalität

16. März 2007, 19:17
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Ein heikles Unterfangen: Das Sozialdrama "Princesas" von Fernando León de Aranoas ist ein publikumswirksamer Film über Freundschaft unter Huren

Wien – Existieren würde erst jemand, an den gedacht wird, sagt Caye (Candela Peña) einmal. Das drückt viel vom Realitätsempfinden der jungen Frau aus, die sich als Prostituierte verdingt und eine der beiden Heldinnen des neuen Films von Fernando León de Aranoas ist. Weil sie ihre Profession vor ihrer Familie geheim hält und über kein anderes soziales Miteinander als den Kreis ihrer Kolleginnen verfügt, steht sie in ihrem Leben allein da. Resolut ist sie, nicht unterzukriegen, aber auch auf verlorenem Posten.

Einen publikumswirksamen Film über Frauen in der Prostitution zu drehen, das ist ein einigermaßen heikles Unterfangen. Meist bietet sich ein sozialrealistischer Zugang an, der die gesellschaftlichen Verhältnisse im Blick behält, die überhaupt erst dazu führen, dass man auf der Straße endet: so genannte Fallgeschichten.

Princesas geht einen anderen, etwas modifizierten Weg: Er interessiert sich nur peripher für die Umstände der Profession, dafür um so mehr für den Gefühlshaushalt der Figuren. Ihre Not ist es, dass ihnen jedwede Normalität versagt bleibt. Ihre Tätigkeit bestimmt noch das Private.

Wie schon in Montags in der Sonne, der sich mit dem Dasein von Arbeitslosen beschäftigte, hält Fernando León de Aranoa dieser Sichtweise eine über weite Strecken stimmige Binnenperspektive entgegen: Entlang der aufkeimenden Freundschaft von Caya zur illegalen Zulema (Micaela Nevárez) aus der Dominikanischen Republik breitet er Szenen aus, in denen die Enttäuschungen und Sehnsüchte sowie ein solidarisches Miteinander der beiden zum Ausdruck gelangen.

Princesas erstattet seinen Figuren damit den Spielraum zurück, den ihnen die Realität vorenthält – und macht sich dennoch nichts vor: Das Märchen bleibt hier nur eine Vorstellung, es lässt sich nicht realisieren, aber Caye und Zulema existieren bestimmter. (Dominik Kamalzadeh / DER STANDARD, Printausgabe, 16./17.03.2007)
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    Enttäuschungen und Sehnsüchte sowie ein solidarisches Miteinander

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