Die Zukunft der Lehre

30. Juli 2007, 13:30
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Österreich hat zu wenige Schweißer, Schlosser und Mechatroniker und zu viele Automechaniker und Friseurinnen. Grund für den Facharbeitermangel: massive Probleme in der Ausbildung

Installateur Thomas Wutschitz (33) hat kürzlich seine Meister- und Unternehmerprüfungen mit Bravour bestanden. Im Gespräch mit dem STANDARD macht sich der Burgenländer, der als kleiner Lehrling begonnen hat und mittlerweile ein hochqualifizierter und relativ gut bezahlter Fachmann ist, Gedanken über den fast schon sprichwörtlichen Mangel an Kräften seiner Art in Österreich: "Mich wundert es beispielsweise gar nicht, dass wir zu wenige Schweißer haben", sagt er, "die besten Schweißer kommen eben aus den Ländern, die eigene Werften haben". Daraus könnte man den Schluss ziehen, der für alle Berufsgruppen gilt: Die Zahl und die Qualität der Facharbeiter hängt davon ab, wie zahlreich und gut die Ausbildungsstätten in den Betrieben sind. Eine Schweißerlehre in der Danziger Werft ist durch einen Schnellsiedekurs im AMS wohl kaum zu ersetzen.

Einen guten Metallarbeiter heranzubilden dauert nach Aussagen der Industrie fünf bis sieben Jahre. Daraus wiederum ließe sich schließen: Der aktuell von der Wirtschaft beklagte Mangel an tausenden Facharbeitern hat damit zu tun, dass vor fünf bis sieben Jahren zu wenige von der Wirtschaft selbst ausgebildet worden sind. Damals schien die Konjunktursonne überhaupt nicht, es gingen bei den Betrieben nicht selten die Unternehmensberater ein und aus: "Restrukturierung" lautete der Euphemismus für Jobabbau. Lehrlingsausbildung? Zu teuer.

Seitens der Wirtschaftskammer wird dies auch gar nicht bestritten, man verweist lediglich auf die Tatsache, dass die Lehrlingszahlen wieder steigen – alleine in der Industrie beispielsweise waren es 2000 rund 14.500, heute sind es knapp 15.400, allerdings stagniert das Niveau seit 2004.

Nicht genug Lehrplätze

Insgesamt sind nicht genug Lehrplätze vorhanden: Die Arbeiterkammer beklagt etwa einen Überhang von 15.000 Suchenden, die in Kursen, im Auffangnetz oder überhaupt auf der Straße stehen – 3100 derzeit offene betriebliche Lehrstellen, 18.000 Suchende.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut fordert von den Regierenden, mehr zu unternehmen, damit sich Österreich als Hightechstandort verbessert. Doch dazu gehören nicht nur Köpfe, sondern auch Hände. Seitens des Wifo fordert man etwa, dass die so genannte "Blum-Prämie" (90 Mio. Euro 2006 für Betriebe, die Lehrlinge ausbilden) nur mehr für jene Berufsgruppen aufgewendet wird, in denen wirklich Mangel herrscht – vereinfacht: Für Metaller gibt es Geld, für Friseure nicht.

Im Regierungsprogramm von SP und VP haben Lehrlinge dank Sozialpartnervorarbeit ein eigenes Kapitel bekommen. Vorgesehen ist etwa, dass der Kündigungsschutz für Lehrlinge gelockert wird, was Unternehmer seit Langem fordern. Die Arbeitnehmerseite verlangt dafür ein staatliches Auffangnetz, in dem die Lehrlinge ihre Ausbildung beenden können. Und hofft, dass sich die SP beim Koalitionspartner hiebei auch durchsetzt. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.3.2007)

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    Einen guten Metallarbeiter heranzubilden dauert nach Aussagen der Industrie fünf bis sieben Jahre.

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