Sauna, Sex und Abendessen

11. April 2007, 08:58
48 Postings

Der Besitzer des Sauna-Bordells "Goldentime", Alexander Gerhardinger, expandiert mit dem Geschäftsmodell in Deutschland, der Schweiz und Wien

Wien – Was dem "schärfsten Mann Finnlands", Premierminister Matti Vanhanen, nach den jüngsten Veröffentlichungen seiner Ex zur Entspannung dient – "Sauna, Sex und Abendessen" (Der Spiegel) –, könnte für den Linzer Geschäftsmann Alexander Gerhardinger zum Exportschlager werden: Gerhardinger ist seit August 2006 Besitzer und Betreiber der FKK-Sauna Goldentime in Wien-Simmering. Dort wird ein Saunabetrieb inklusive Essen und Getränken geboten. Wer Lust auf mehr hat, dem stehen Zimmer frei. Der Eintritt kostet 60 Euro für Frauen, Männer zahlen 80 Euro. Alles Weitere zählt zu den bilateralen Abkommen zwischen den Betroffenen.

Expansion

In aller Munde war der Klub zuletzt durch die "Sauna-Affäre", die zwei hochrangige Wiener Polizeibeamte den Job kostete. Gerhardinger übernahm danach das Etablissement (er war einer von 15 Interessenten) und will mit der Geschäftsidee weiter expandieren. Das Geld dafür, nämlich 25 Mio. Euro, soll über einen Börsengang seiner RB ("Red Business") Immo AG samt Kapitalerhöhung 2008 kommen. Den Aktionären verspricht er zweistellige Renditen. Angepeilt wird eine Platzierung in Frankfurt oder London, weil dort auch "kleinere und schnellere Emissionen" möglich seien.

Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg: Zunächst wird heuer im Sommer eine Großdisco in Innsbruck in eine Goldentime-Sauna umgebaut. Ende 2007 ist Baubeginn in München, wo neben dem Flughafen ein 5000 m2 großes Grundstück erworben wurde.

Das Problem, so Gerhardinger zum STANDARD, sei nicht, die RB-Immo-Aktien zu verkaufen, "da gibt es genug Geldgeber, die ohne Namensnennung bereit sind, größere Summen auf den Tisch zu legen". Woran es mangelt, sind seriöse Betreiber und Beteiligte an den einzelnen Sauna-Clubs. Er sucht "Geschäftsleute, die sich über Erlebnisgastronomie drübertrauen", wie es der smarte 45-Jährige nennt.

Frisches Geld

In den nächsten zwei Monaten holt sich Gerhardinger, der in Ansfelden ein "Nobelbordell" betreibt, über private Platzierungen 5,8 Mio. Euro. Damit finanziert er die Betreiber der beiden neuen Sauna-Bordelle. Dazu sei nämlich keine Bank bereit. Er selbst will sich künftig in den Vorstand der RB Immo zurückziehen und nicht mehr operativ das Goldentime in Simmering managen.

Detail: Eine offizelle Konzession für den Betrieb von Bordellen gibt es nur in den Bundesländern, nicht aber in Wien. Hier gelte es, sich an die Spielregeln zu halten und die Geschäfte so transparent wie nur möglich zu machen. Sind die Standorte in Innsbruck und München auf Schiene, dann kommt der Börsengang der RB-Immo, um zwei Standorte in Deutschland, einen in der Schweiz und einen zweiten in Wien zu eröffnen. Nach dem Börsengang will Gerhardinger seinen derzeit 54-prozentigen Anteil auf 30 Prozent reduzieren.

Finnlands geschiedener Premier Vanhanen, Parteichef der bürgerlichen Zentrumspartei, dürfte übrigens laut Prognosen am Sonntag die Wahlen gewinnen, nicht zuletzt wegen seiner amourösen Aktivitäten. Die begeisterten im Herbst beim EU-Asien-Gipfel sogar Frankreichs Präsident Jacques Chirac, der den damaligen EU-Ratsvorsitzenden als "sexiesten Mann Finnlands" vorstellte. (Claudia Ruff, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17./18.3.2007)

Mehr zum Thema
Dossier Finnland
  • Der studierte Betriebswirt Alexander Gerhardinger entwickelte bisher Kinocenter.
    foto: standard/hendrich

    Der studierte Betriebswirt Alexander Gerhardinger entwickelte bisher Kinocenter.

Share if you care.