Diskriminierung wegen ethnischer Herkunft in EU weit verbreitet

25. Jänner 2008, 11:17
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56 Prozent der Österreicher sehen dies laut Eurobarometer so – Für zwei Drittel der EU-Bürger sind Ausländer eine Bereicherung

Ein großer Teil der Europäer ist der Meinung, dass Diskriminierung in ihrem Land weit verbreitet ist. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage unter 26.800 Bürgern aller 27 Mitgliedstaaten sowie den Bewerberländern Kroatien und Türkei. Nach diesem Eurobarometer, einer Studie anlässlich des europäischen Jahres der Chancengleichheit, glauben durchschnittlich 64 Prozent der Befragten, dass Ausländer in ihrem Land unter Benachteiligungen zu leiden haben. Österreich liegt mit 56 Prozent im unteren Mittelfeld.

Keine Bereicherung für Österreicher

Gleichzeitig findet in allen außer vier Mitgliedstaaten eine Mehrheit der Bürger (EU-Schnitt: 65%), dass Menschen mit anderer ethnischer Herkunft die Kultur ihres Landes bereichern. Österreich nimmt mit 46 Prozent den vorletzten Platz in diesem Ranking ein. 42 Prozent sind hierzulande dezidiert der Meinung, dass Heterogenität kein Gewinn für die Gesellschaft ist.

Etwa jeder zweite Europäer ist davon überzeugt, dass es Diskriminierungen wegen einer Behinderung (Österreich 52%) oder der sexuellen Orientierung gibt (Ö: 43%). Dass Benachteiligungen aufgrund des Alters (EU: 46%, Ö: 46%), der Religion (EU: 44%, Ö: 44%) und des Geschlechts (EU: 40%, Ö:30%) vorkommen, wird ebenfalls - wenn auch in etwas geringerem Maße - wahrgenommen. Eine große Mehrheit der Bevölkerung ist der Ansicht, dass mehr Frauen in beruflichen Führungspositionen (77%) und als Abgeordnete (72%) nötig wären. Österreich rangiert hier mit 62 bzw. 68 Prozent am untersten Ende der Skala.

Nachteile am Arbeitsplatz durch Behinderung und Alter

Wenn es darum geht, einen Arbeitsplatz zu bekommen, sind Behinderung und Alter die beiden Faktoren, von denen die EU-Bürger meinen, dass sie den größten Nachteil für den Betroffenen darstellen. Fast acht von zehn Befragten (Ö: 70%) haben den Eindruck, dass bei gleicher Qualifikation eine Person über 50 oder eine behinderte Person (Ö: 69%) bei einer Beschäftigung oder Beförderung weniger Chancen hat. Hautfarbe (EU: 59%, Ö: 62%) und ethnische Herkunft (EU: 58%, Ö: 55%) werden auch als gravierende Nachteile genannt.

54 Prozent der Europäer (Ö: 46%) sind der Meinung, dass das Tragen sichtbarer religiöser Symbole am Arbeitsplatz akzeptabel ist. Weniger als die Hälfte der Bevölkerung (EU: 44%, Ö: 35%) befürwortet, dass es in ihrem Land mehr Abgeordnete mit anderer ethnischer Herkunft geben sollte. Im Durchschnitt denken 51% der Europäer, dass in ihrem Land im Kampf gegen Diskriminierungen nicht genügend Anstrengungen unternommen werden. In Österreich sind allerdings 61 Prozent davon überzeugt, dass die Republik hier genügend Maßnahmen ergreift.

Antidiskriminierungsgesetze wenig bekannt

Schließlich ist, wie die Umfrage unterstreicht, die Kenntnis der Existenz von Antidiskriminierungsgesetzen in der Europäischen Union nach wie vor recht gering. Behinderung ist die einzige Diskriminierungsform, bei der über die Hälfte der Bürger weiß (EU: 51%, Ö: 53%), dass sie bei der Einstellung neuer Mitarbeiter gesetzlich verboten ist. Am wenigsten kennt die Öffentlichkeit die Rechtsvorschriften, die Benachteiligung aufgrund des Alters (EU: 31%, Ö: 28%) und der sexuellen Orientierung (EU: 30%, Ö: 26%) verbieten.

Nur ein Drittel der EU-Bürger (32%) kennt die eigenen Rechte für den Fall, dass sie Opfer von Diskriminierung oder Belästigung werden sollten. Österreich bildet in dieser Kategorie mit nur 17 Prozent das Schlusslicht. Im Jahr 2002 waren laut einer Studie noch 29 Prozent der Österreicher über ihre gesetzlichen Möglichkeiten im Bilde. (om)

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    foto: eu
  • Studie Eurobarometer zu Diskriminierung in der Europäischen Union

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