Contergan-Affäre bleibt heikles Thema

23. März 2007, 13:57
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Hersteller des folgenschweren Medikaments bewirkt einstweilige Verfügung: Fernsehfilm "Eine einzige Tablette" darf vorerst nicht ausgestrahlt werden

Köln - Im Rechtsstreit um die Ausstrahlung eines zweiteiligen Fernsehfilms über die Contergan-Affäre hat der Contergan-Hersteller Grünenthal erneut eine einstweilige Verfügung erwirkt. Wie eine Sprecherin des Westdeutschen Rundfunks (WDR) am Freitag in Köln bestätigte, entschied das Landgericht Hamburg, dass der Film "Eine einzige Tablette" über den Medikamentenskandal aus den 60er Jahren in seiner derzeitigen Fassung nicht ausgestrahlt werden darf. "Fakt ist aber auch, dass für Dienstag eine mündliche Verhandlung am Oberlandesgericht Hamburg angesetzt worden ist, also bei der nächsthöheren Instanz", sagte die Sprecherin. In dieser Verhandlung geht es um eine frühere einstweilige Verfügung.

Grünenthal hatte zuvor schon einstweilige Verfügungen gegen die Drehbuchfassung des Films erwirkt, die neue wurde nun auf der Grundlage des Films selbst erlassen. Grünenthal und ein ebenfalls betroffener Rechtsanwalt argumentieren, dass der Film der Produktionsfirma Zeitsprung an mehreren Stellen sachlich falsch sei. Die Autoren des Films betonen dagegen, dass es um eine fiktionale Aufarbeitung des Stoffes und nicht um eine historische Dokumentation gehe. Der Film entspreche aber den historischen Ereignissen. Grünenthal hält dem entgegen, dass der Zuschauer nicht wissen könne, was Fakt sei und was nicht.

Durch das Schlaf- und Beruhigungsmittel Contergan hatten Mütter in den 60er Jahren insgesamt 2600 missgebildete Kinder zur Welt gebracht. Der Prozess gegen sieben leitende Angestellte des Pharmaunternehmens Grünenthal wurde 1970 nach über 280 Verhandlungstagen eingestellt. WDR-Fernsehdirektor Ulrich Deppendorf hatte zu dem Rechtsstreit über den Film gesagt, es gehe letztlich um die Frage: "Darf Historie fiktional aufbereitet werden?" (APA/dpa)

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