Die Foto-Dokumentationen des Joel Meyerowitz

23. März 2007, 13:15
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Umfangreiche Schau im Museum der Moderne auf dem Mönchsberg - gezeigt werden unter anderem großformatige Bilder vom New Yorker Ground Zero

Salzburg - Joel Meyerowitz gilt als der bedeutendste Foto-Dokumentarist der USA, seine Farb-Aufnahmen waren und sind weltweit stilprägend für die Magazin-Fotografie. Das Museum der Moderne auf dem Salzburger Mönchsberg hat die Ausstellung "Out of the Ordinary 1970 - 80" vom Musee du Jeu de Paume in Paris übernommen und um einen zweiten Foto-Komplex erweitert, nämlich großformatige Dokumentationen des New Yorker Ground Zero mit dem Titel "Aftermath 2001- 02".

"Out of Ordinary" besteht aus 120 Fotos in meist harten, direkten Farben. Die Linse ist scharf gestellt und schonungslos. Manchmal scheint die Hauptsache im Schatten, aber die Bild-Kompositionen sind es ohnehin nicht, die Joel Meyerowitzs Fotos so eindrücklich wirken lassen. Es ist die Dynamik der Straße, die der 1938 geborene Fotograf schnappschussartig und doch auf zum Teil großformatigen Negativen eingefangen hat. Zufalls-Kompositionen des täglichen Lebens auf den Straßen von New York, Passanten, die wie Ikonen zeitlos und bedeutungsschwanger wirken, ausgestopfte wilde Tiere in den super-urbanen Auslagen der Geschäfte und immer wieder das Auto - Bewegung pur, gebannt auf alten und neuen Prints.

"Spontan wie Jazz"

Auch die öde Landschaft gibt es in dieser Ausstellung, die "uninteressante" Umgebung, den banalen Parkplatz, das Abbruchhaus in der Provinz oder die todlangweilige Idylle. Oft geschwängert mit alltäglichen Reflexen von Menschen, die dem amerikanischen Lebensgefühl der 70er Jahre ihre Körper leihen. "Spontan wie Jazz sind viele meiner Bilder entstanden", so Meyerowitz bei der Pressebesichtigung. "Aber dafür musste ich erst meine Vorbilder wie den großen Henri Cartier-Bresson geistig töten, um den Blick frei zu kriegen auf die Welt."

Nicht wie Jazz, sondern wie komplexe klassische Kompositionen muten hingegen die extrem großformatigen Ground Zero-Arbeiten an, die von Kuratorin Margit Zuckriegl zur Serie "Aftermath 2001- 02" zusammengefasst wurden. Auch wenn diese Serie wie gemacht erscheint für ein Museum, an Kunst habe er beim Fotografieren nicht gedacht, sagte Meyerowitz: "Ground Zero abzulichten war eine historische Notwendigkeit. Diese Bilder sind mein Geschenk an die Leute von New York. Die Bedeutung dieser Arbeiten ist so klar, dass sie nicht in Kunst verwandelt werden mussten." (APA)

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