"So etwas habe ich noch nie erlebt"

16. März 2007, 19:20
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Kritik von IMG-Manager Pirzer: "GAK hat seine Krise durch dauerhaftes Missmanagement verur­sacht" - Sticher: "Alles unrichtig"

Wien - Der GAK bekommt es derzeit knüppeldick. Nach Konkursantrag und dem Abzug von sechs Punkten für die laufende Meisterschaft der Fußball-Bundesliga hat am Freitag ein ehemaliger Partner heftige Kritik an der Glaubwürdigkeit des Grazer Klubs bzw. führender Funktionäre geäußert. "Das ist normalerweise nicht unsere Politik, aber es ist so viel an die Öffentlichkeit gelangt, was nicht der Wahrheit entspricht", begründete Christian Pirzer vom Sportvermarktungs-Unternehmen IMG (International Management Group) die Einladung zur Pressekonferenz in Wien.

Pirzer ist Chef der Abteilung "Sports und Entertainment in Europa" sowie Geschäftsführer Österreich der IMG, die am 15. April 2005 mit einem Zehn-Jahres-Vertrag beim GAK eingestiegen, im August 2006 aber aus dem Vertrag ausgestiegen ist. Gegenseitige Klagen sind anhängig. "Ich bin 17 Jahre im Geschäft, aber so etwas habe ich noch nie erlebt", sagte Pirzer über seine ersten Erfahrungen in Österreich.

Roth als "Ehrenmann aufgetreten"

Er sieht sich vor allem vom damaligen GAK-Präsidenten Rudi Roth hinters Licht geführt. IMG wurde im Herbst 2004 auf den GAK aufmerksam gemacht. Er sei "skeptisch" gewesen, erklärte Pirzer nun. Roth habe ihn aber beeindruckt. "Er hat Wert darauf gelegt, dass der Verein entschuldet und saniert ist", erinnert sich der IMG-Mann. Überprüft sei das nicht worden, Roth sei "als "Ehrenmann aufgetreten". "Wenn jemand behauptet, dass wir eine Buchprüfung durchgeführt haben, dann lügt er. Wir haben nur Sponsoren-Verträge gesehen, also nur die Einnahmenseite", so Pirzer.

Obwohl weiter skeptisch, weil der Umsatz unter der üblichen Rentabilitätsgrenze von sechs bis sieben Millionen Euro gelegen sei, wurde eine Zusammenarbeit vereinbart. Roth habe ursprünglich von einer Sponsorensumme von 6,3 Mio. Euro gesprochen, allerdings seien "nicht einmal drei Millionen mit Verträgen gesichert" gewesen. Daher sei der Vertrag unter zwei Voraussetzungen abgeschlossen worden: "Dass die Angaben über die Einnahmen für 2005/06 stimmen und man das Stadion in zwei bis drei Jahren ausbauen kann, um die Einnahmesituation zu verbessern", erklärte Pirzer.

Platzierungs-Klausel

Im Vertrag (Werbe-Rechte betreffend Banden, Trikot etc., Vermarktung VIP-Bereich, UEFA-Cup-TV-Rechte) wurde festgelegt, dass IMG im ersten Jahr keine Fixsumme garantierte und ab dem zweiten Jahr fünf Millionen, allerdings mit einer Erfolgskomponente. Die Garantiesumme galt demnach nur, wenn der GAK die Liga auf den Rängen eins bis drei beendet, pro Platz weiter zurück wurde ein Abschlag von je 250.000 Euro festgelegt. Zudem habe Roth eine Liste mit abgeschlossenen Verträgen vorgelegt, die in einer Summe von 5,031 Mio. Euro mündete. Sollte diese Liste nicht stimmen, hatte IMG ein Kündigungsrecht mit Rückerstattung von 90 Prozent des Unterzeichnungsbonus von einer Mio. Euro (plus 20 Prozent Steuern). Roth habe akzeptiert, sagte Pirzer.

Roth-Nachfolger Harald Sükar habe aber schnell festgestellt, dass Angaben nicht stimmen würden. "Auch Sükar war überrascht, dass der Verein nicht schuldenfrei ist", meint Pirzer. Es sei daher geplant worden, das Trainingsgelände zu verkaufen und zurück zu leasen. Die Probleme seien aber immer mehr geworden, zudem setzte eine sportliche Talfahrt ein. "Die Außendarstellung war katastrophal, wir haben Sükar gesagt, dass die Grundlagen der Garantie nicht mehr gegeben sind", so der IMG-Chef. Daher wurde im März 2006 eine Änderungsvereinbarung abgeschlossen, bei der die Garantie weg fiel. Unterzeichnet haben laut vorgelegter Vertragskopie Sükar sowie Christian Leger und Ulrike Pilz.

Bandensystem war nicht mehr finanzierbar

Als der Verein aber nicht mehr in der Lage gewesen sei, die Anzahlung für ein neues Bandensystem in Höhe von 100.000 Euro zu finanzieren und man gesehen habe, dass eine Entschuldung nicht zu finanzieren sei, "haben wir die Auflösung des Vertrages erklärt", so Pirzer.

Dass IMG aber am Konkurs des GAK schuld sei, wies er zurück: "Der GAK hätte heute keinen Euro mehr in der Tasche." Er rechnete vor: Der GAK habe 5,061 Mio. Euro als Einnahmen zugesagt, lediglich 3,662 Mio. seien vorhanden gewesen. Von IMG sind demnach 1,182 aufgestellt worden. Die Provision (20 Prozent) sei unter der Sonderzahlung bei Vertragsunterzeichnung (1,2 Mio. inkl. Steuern) gewesen, dem GAK damit im ersten Jahr keine Kosten entstanden. Bei Vertragsauflösung im Sommer des Vorjahres seien Verträge in Höhe von 2,5 Mio. abgeschlossen gewesen, aus den VIP-Karten wären noch einmal rund 1,5 Mio. geplant gewesen, gesamt sei man also schon frühzeitig nur knapp unter der Summe von 4,25 Mio. Euro gelegen, die dem GAK durch die Garantieklausel auf Grund der Endplatzierung zugestanden wäre.

"Dauerhaftes Missmanagement"

Sein Fazit: "Der GAK war finanziell in so desolatem Zustand, dass er nicht entschuldet werden konnte. Der GAK hat seine Krise durch dauerhaftes Missmanagement verursacht", erklärte Pirzer und fügte hinzu: "Man hat mit unvollständigen Unterlagen die Lizenz für die Saison 2006/07 erschlichen. Ich glaube, das wird Folgen haben", sprach er die von Sükar im "Profil" getätigten Aussagen an. Dort hatte der mittlerweile ebenfalls ehemalige Präsident erklärt, er habe die Bundesliga nicht über die Änderungsvereinbarung informiert, der GAK also über keine Garantiesumme mehr verfügt.

Sticher: Absolut alles unrichtig

GAK-Präsident Stephan Sticher dementierte die Vorwürfe heftig und betonte, dass der Verein ein Verfahren beim Schiedsgericht auf Einhaltung des Vertrages und auf ungerechtfertigte Aufkündigung der Garantiesumme eingeleitet hat. Beim Verein habe das Vier-Augen-Prinzip gegolten und vom Verein habe lediglich Sükar die Änderungsvereinbarung unterzeichnet, so Sticher.

Sticher sieht auch die Arbeit von IMG in ganz anderem Licht. "Vor dem IMG-Einstieg sind durch Styria 73 Sponsoren-Verträge da gewesen, danach waren nur noch 30 vorhanden, davon 10 auf Gegengeschäften. Von IMG ist in eineinhalb Jahren nur ein einziger Sponsor gebracht worden, die anderen wurden nur fortgeschrieben", betonte der GAK-Präsident.

Dass der Ausstieg dann zu einem desolaten Zustand geführt habe, sei verständlich. Sticher kann die Vorwürfe von IMG "nicht einmal in irgendeiner Art und Weise gut heißen. Wenn ich bei der Pressekonferenz dabei gewesen wäre, hätte ich für jedes Argument ein Gegenargument bringen können. Es ist absolut alles unrichtig", betonte Sticher.

Konter von Roth

Auch Guido Held, Anwalt des heftig attackierten Rudi Roth, konterte den Vorwürfen von IMG und warf dem ehemaligen Vermarkter einige Fehler und teilweise Nicht-Erfüllung von Vertragspunkten vor. "Konsul Roth hat die Marketing-Situation richtig dargestellt", betonte Held. Roth habe zudem nach dem Ausscheiden aus dem Amt des GAK-Präsidenten im Juni 2005 den Klub noch mit über einer Million Euro unterstützt.

Laut Held hat der GAK im April 2005 über ein Marketing-Volumen von rund fünf Millionen Euro verfügt. "IMG wollte mit dem GAK einen exklusiven Marketing-Vertrag, der weit über diesem Sponsor-Volumen hinaus zwei bis drei Millionen Euro jährlich aufbringen sollte. Daher hat sich der GAK zu einem Partnerwechsel entschlossen, die Leistungen von IMG blieben aber weit hinter den Erwartungen zurück", so der Roth-Anwalt.

"Teile des Vertrages nicht erfüllt"

Held erklärte zudem, dass IMG "Teile des Vertrages nicht erfüllt" habe. So sei ein neues Marketing-Konzept nicht vor Juli 2005 erstellt worden, die periodisch vorgesehenen Marketing-Sitzungen seien nicht in der vertraglich festgelegten Form abgehalten worden. Zudem seien Mitarbeiter nach Graz entsandt worden, "die über keine ausreichende Erfahrung im lokalen Sponsoring verfügten. Sie waren nicht in der Lage, das vorhandene Sponsor-Potenzial an den GAK zu binden. Mitarbeiter wurden von IMG nach einigen Monaten zum erheblichen Teil ausgetauscht", sagte der Anwalt.

Nach eigenen Angaben verfügt Held über "eine Reihe von mündlichen und schriftlichen Beschwerden über völlig unzureichende Betreuung bestehender Partner durch den Klub und durch IMG." Held kritisiert in diesem Zusammenhang nicht nur IMG, sondern auch Funktionäre des Vereins. "Man will durch Vorwürfe gegen Konsul Roth offensichtlich von eigenen Fehlern ablenken. Das gilt nicht nur für IMG, sondern auch für Vereinsorgane".

"Darstellung ist zum Teil unrichtig"

Dass sein Mandant die Situation des Klubs im Frühjahr 2005 falsch dargestellt habe, "diese Darstellung ist zum Teil unrichtig und zum Teil unvollständig", sagt Held. "Der Verein war sehr gut aufgestellt, hatte eine neue Akademie, ein neues Trainingszentrum und Immobilien im Wert von sechs Millionen Euro. Es gab keine Exekutionen, keine Verbindlichkeiten gegenüber dem Finanzamt oder der Gebietskrankenkasse. Ausschließlich nach dem Ausscheiden von Roth kam es zu Problemen im Verein. Jeder Klub hat Verbindlichkeiten, es geht um die Frage, kann er sie betreuen. Das war möglich", betonte Held.

IMG sei mit drei professionellen Beratern für drei Tage nach Graz gekommen, sie "hatten die Möglichkeit, alle Unterlagen einzusehen. Inwieweit sie Einsicht genommen haben, weiß ich nicht." (APA)

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