CO2-Pickerl fürs Obst

17. März 2007, 09:37
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Zehn Prozent mehr heimisches Obst brächte 116.000 Tonnen weniger CO2 - AMA fordert Kennzeichnung, Pröll will Gespräche führen

Wien - Das CO2-Pickerl für weit gereiste Lebensmittel soll auch in heimischen Supermärkten kommen: Die Agrar Markt Austria (AMA) hat gefordert, eine Kennzeichnung für besonders CO2-intensive Produkte auch hier einzuführen. In Großbritannien wird das von der Supermarktkette Tesco bereits gemacht. Umweltminister Josef Pröll unterstützt das Anliegen und will mit dem Handel Gespräche führen.

Emissionen durch Obst-Transport

Ein Teil des Klimaproblems ist der Konsument: Wer fortwährend Obst aus Chile kauft, statt auf heimische Produkte zu setzen, trägt zu unnötig hohen Emissionen bei. Eine neue Studie des Sustainable Europe Research Institute (SERI) im Auftrag der AMA zeigt, dass die Gesamtemissionen für den Transport eines Kilogramms Weintrauben aus Chile rund 7,41 Kilogramm CO2 ausmachen. Das ist um das 838-fache höher als die Emissionen des Transports aus dem Burgenland (8,8 Gramm).

Apfel-zwölffache Belastung

Auch andere importierte Produkte haben es in sich: Ein Apfel aus Kapstadt nach Wien im Vergleich zu einem Apfel aus der Steiermark nach Wien verursacht zwölf Mal höhere Emissionen. Ein Paradeiser aus Holland, der mit dem Lkw durch halb Europa geführt wird, verursacht im Vergleich zu einem in Wien geernteten eine 150 Mal höhere CO2-Belastung.

Pickerl wäre sofort möglich

Um für mehr Problembewusstsein zu sorgen, will die AMA zwei Kennzeichnungen im Handel etablieren: Ein Pickerl, das darauf hinweist, dass ein Produkt "geflogen" wurde, wäre sofort zu bewerkstelligen, sollten die Lebensmittelketten dazu bereit sein, sagte AMA Marketing-Chef Stephan Mikinovic.

CO2 Bilanz als Gütesiegel Erweiterung

Auf der zweiten Kennzeichnung, die die AMA vorschlägt, soll eine CO2-Bilanz ablesbar sein. Wie diese konkret aussehen soll, ist noch nicht ausgearbeitet, die AMA überlegt aber, das bestehende Gütesiegel um diese Angaben zu erweitern.

116 Tausend Tonnen weniger CO2

Pröll verwies darauf, dass der Einkauf von regionalen und saisonalen Produkten wesentlich zur Verringerung von CO2-Emissionen beitrage: Würden etwa zehn Prozent mehr regionale Lebensmittel gekauft, bedeute dies eine Reduzierung der gefahrenen Lkw-Kilometer um 166 Millionen pro Jahr. Damit würden 116.000 Tonnen CO2 eingespart werden.

Ein absoluter Verzicht auf ausländische Lebensmittel sei jedoch nicht das Ziel, betonte Pröll. Vielmehr gehe es darum, Bewusstsein zu schaffen: "Es soll niemand ein schlechtes Gewissen haben." (APA)

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