Freispruch für Wiener, der lauten Nachbarn erschoss

21. März 2007, 16:28
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Richter billigte Schützen gerechtfertigte Notwehr zu - Urteil nicht rechtskräftig

Im Wiener Straflandesgericht ist am Freitag jener 50-jährige Mann vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung unter besonders gefährlichen Verhältnissen freigesprochen worden, der am 17. April 2006 in Wien-Hernals seinen lauten Nachbarn erschossen hatte. Richter Andreas Böhm billigte dem im Verteidigungsministerium tätigen Offizier des Bundesheers zu, in Notwehr gehandelt zu haben. Staatsanwältin Gabriele Mucha gab vorerst keine Erklärung ab, der Freispruch ist daher nicht rechtskräftig.

Sämtliche Bewohner der Wohnhausanlage, in der das Opfer seit rund 20 Jahren gelebt hatte, dürften seit langem unter dem Grafiker und Computerkünstler gelitten haben. Regelmäßig soll dieser nächtens das Haus mit lauter, basslastiger Musik aus seiner Stereoanlage beschallt haben. Oft lag er betrunken im Stiegenhaus und schrie wild herum, so dass die Polizei mitunter mehrmals täglich zu Hilfe gerufen wurde. Weil Sachverständige bei dem 44-Jährigen schließlich eine schizo-affektive Psychose mit Impulsdurchschüben feststellten, die mehrfach eine stationäre Behandlung auf der Psychiatrie erforderlich machte, wurde er sogar besachwaltert.

Lärmattacken

Dem direkt über ihm wohnenden Vizeleutnant machten vor allem die nächtlichen Lärmattacken zu schaffen. Zuletzt hatte sich der Offizier gegen die Bass-Orgien geholfen, indem er auf Anraten der Polizei am Gang einfach die Sicherungen herausdrehte. Das tat er auch am Ostermontagmorgen des vergangenen Jahres, nachdem er gegen 6.35 Uhr vergeblich gegen die Tür des Störenfrieds "gepumpert" hatte, der einmal mehr in voller Lautstärke die Bässe aus den Lautsprecher-Boxen fahren ließ.

Plötzlich riss der 44-Jährige allerdings die Tür auf und lief splitternackt auf den 50-Jährigen zu, wobei er nach dessen Darstellung eine 70 Zentimeter lange Hartmetallstange schwang und "I derschlag di! I hau dir den Schädel ein!" rief. Der Vizeleutnant machte daraufhin von seiner Pistole Gebrauch, für die er einen Waffenpass besaß und die er beim Verlassen der Wohnung eingesteckt hatte.

"In der Situation musste er das Schlimmste befürchten. Er hat keine andere Möglichkeit gehabt, als den Angriff abzuwehren", segnete das Gericht nun den tödlichen Schuss zumindest in strafrechtlicher Hinsicht ab. Die Staatsanwältin hatte das in ihrem Schlussplädoyer anders gesehen: "Hier wurde das gerechtfertigte Maß an Notwehr überschritten! Das war kein lebensbedrohender Angriff. Korrekt wäre es gewesen, die Polizei zu verständigen, das Bezirksgericht oder den Vermieter zu kontaktieren oder selber umzuziehen."

"Hinhalten und ein Deutschuss"

I hab mir in dem Moment fast in die Hosen gemacht. I bin davon gelaufen, die Stiegen rauf, zu meiner Wohnung. Er hat mi verfolgt, hat mit der Stange auf den Stiegenlauf geschlagen", hatte der Offizier in seiner Einvernahme die Situation geschildert. Es habe "nur eines gegeben, wie man es lernt in der Ausbildung: Hinhalten und ein Deutschuss. Er hätt' mi sonst wahrscheinlich erschlagen."

Der Offizier hatte ein Mal abgedrückt. Der 44-Jährige Grafiker wurde mitten in der Brust getroffen und starb gegen 7.15 Uhr im Stiegenhaus vor seiner Wohnung. (APA)

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