Erstmals Pilotinnen beim Österreichischen Bundeheer

16. März 2007, 12:00
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"Mit den Höhen und Tiefen gleich wie bei den Männern": Zwei 23-jährige Frauen trainieren mit sieben Kollegen

Graz - Es knattert wieder über dem obersteirischen Fliegerhorst Fiala-Fernbrugg in Aigen im Ennstal: Das Bundesheer lehrt zur Zeit in- und ausländische Hubschrauberpilotinnen und -piloten das Fliegen in den schwierigen Bedingungen zwischen den Bergen. Erstmals sind auch zwei 23-jährige Frauen aus Nieder- und Oberösterreich unter den Teilnehmenden der anspruchsvollen Ausbildung.

"Gleich wie bei den Männern"

Die Niederösterreicherin Eva Berginc und die Oberösterreicherin Christiane Stranzinger sind die ersten Pilotinnen beim Bundesheer. Beide sind gleich nach der Matura eingerückt und nun in Langenlebarn stationiert, erzählten sie am Donnerstag in Aigen. Mit den männlichen Kollegen gebe es keine Probleme: "Die Eva und ich halten schon nicht zurück", so Stranzinger. Mit den Frauen sei es "mit den Höhen und Tiefen gleich wie bei den Männern", berichteten ihre Ausbildner.

Neun Pilotinnen/Piloten werden auch noch die kommende Woche in Aigen trainiert, insgesamt sind rund 60 TeilnehmerInnen vertreten - darunter seit dem Jahr 2000 auch stets welche aus Deutschland. Es beweise sich immer wieder, dass man von der Ausbildung mit den österreichischen Kolleginnen und Kollegen profitieren würde, berichtete der deutsche Fluglehrer Klaus Smolareck.

Hochgebirgslandekurse noch zu absolvieren

Die TeilnehmerInnen haben bereits eine Pilotenausbildung absolviert, dürfen aber ohne Absolvierung des derzeitigen Winter- und des voraussichtlich im Oktober stattfindenden Sommerkurses nicht im Hochgebirge fliegen und landen, erklärte Geschwader- und Kurskommandant Alfred Orthaber. In ihrer Ausbildung zum/zur Einsatzpiloten/Einsatzpilotin fehlen den Teilnehmenden nur noch die beiden jeweils zwei Wochen dauernden Hochgebirgslandekurse.

Das Fliegen im Hochgebirge stelle eine große Herausforderung dar, meinte Orthaber. Der Wechsel von Hoch- in Tiefdruckgebiet und Temperaturunterschiede z.B. würden den Körper der Piloten/Pilotinnen beeinflussen, ebenso würden u.a. Wetterveränderungen und Licht-Schatten-Verhältnisse eine Rolle spielen. "Man muss wissen, wann die Grenze erreicht ist, wann man eine Pause einlegen muss", so der Kommandant. Alle Piloten/Pilotinnen müssten überall in Österreich jeden Punkt bedienen können. So wird auf den Maschinen Agusta Bell AB212, OH-58 Kiowa und Alouette III trainiert, auch ein deutscher Eurocopter EC135 ist im Einsatz. Bis Mittwoch wurde auch auf einem UH60 Black Hawk trainiert.

Landen auf Bergkante: "Guter Platz, sehr gut erkannt"

Die angehenden Hochgebirgspilotinnen und -piloten machen sich in luftigen Höhen auf die Suche nach guten Anlage- und Starterplätzen auf schneebedeckten Bergkanten wie am rund 2.350 Meter hohen Grimming und lernen mit den verschiedenen Maschinen richtig umzugehen. Aber auch Theorie und etwa das Navigieren mit der Karte für den Notfall werden den Teilnehmenden näher gebracht.

Eine Sommer- und Wintergebirgsausbildung am Boden gehört ebenso zur Ausbildung, um im Notfall auch dort überleben zu können. Laut Geschwader- und Kurskommandant Alfred Orthaber ist das Ziel, dass "jeder Pilot ohne eine Gänsehaut zu bekommen, zu seinem Flieger geht, egal was der Auftrag verlangt oder wo er ihn hinführt".

Psychologische Betreuung

Die TeilnehmerInnen werden übrigens auch psychologisch betreut. Pilot werden kann nur, wer bei der Stellung - also der Untersuchung am Beginn jeder "Bundesheer-Karriere" - Stufe neun erreicht. Rund 5.000 bis 6.000 Flugtaugliche gebe es pro Jahr, nach der Selektion würden etwa 15 bis 30 übrig bleiben, die Flugschüler-Status erreichen, berichtete Flugpsychologin Michaela Auer. (APA/red)

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    Christiane Stranzinger (l) und Eva Berginc, die ersten Hubschrauberpilotinnen des Bundesheeeres bei einem Training des Hochgebirgslandekurs in Aigen im Ennstal.
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