Prodi will strengere Vorschriften für Telefonüberwachungen

23. März 2007, 13:58
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Nach Eklat um Paparazzi-Skandal in Italien

Rom - Nach dem ausgedehnten Paparazzi-Skandal in Italien, in dessen Sog Politiker, Sportler und TV-Stars geraten sind, verlangen die Parteien nun strengere Vorschriften für Telefonüberwachungen sowie hohe Strafen für die Veröffentlichung von Abhörprotokollen. Innenminister Giuliano Amato bemängelte, dass ein von der Regierung verfasstes Gesetzprojekt zur Regelung der Telefonüberwachungen immer noch nicht vom Parlament über die Bühne gebracht worden sei.

Amato kritisierte, dass enge Verbindungen zwischen Journalisten und Staatsanwälten bestünden, die Abhörprotokolle an Medien weitergäben. Es würden oft unschuldige Menschen vorverurteilt und in Misskredit gebracht. "Ich bin sprachlos über das, was derzeit in Italien geschieht", so Amato.

Neue Regeln bei der Veröffentlichung von Abhörprotokollen werden in Regierungskreisen mit Nachdruck gefordert, nachdem die italienische Presse dieser Tage massiv Abschriften abgehörter Telefongespräche zwischen dem wegen Erpressung festgenommenen Fotografen Fabrizio Corona und seinen Mitarbeitern veröffentlicht hat. In den Sog des Skandals war zuletzt Silvio Sircana, Sprecher von Regierungschef Romano Prodi, wegen angeblicher Fotos mit einem Transsexuellen geraten, von denen in einem abgehörten Telefongespräch Coronas die Rede war.

"Nur ein Scherz"

Der Fotograf Massimo Scarfone, der laut dem Telefongespräch Sircana abgelichtet hatte, bestritt jedoch entschieden, Prodis Sprecher mit einem Transsexuellen fotografiert zu haben. "Es war nur ein Scherz. Unter uns Fotografen geschieht es oft, dass wir mit Fotos prahlen, die wir nie gemacht haben", so der Paparazzo.

Auch die Opposition um Silvio Berlusconi ist mit Amatos Plänen einverstanden. "Was dieser Tage mit den veröffentlichten Telefongesprächen geschah, ist einfach skandalös", kommentierte Berlusconi. Er selber musste 20.000 Euro zahlen, damit die Öffentlichkeit ein Bild seiner angetrunkenen Tochter beim Verlassen einer Mailänder Discothek nicht zu sehen bekam.

In oppositionellen Rechtskreisen wurden die ermittelnde Staatsanwaltschaft von Potenza und deren Abhörprotokolle kritisiert. Es geschehe immer häufiger, dass eine staatsanwaltschaftliche Untersuchung zu einer mittelmäßigen Komödie werde und die juristischen Grenzen von Schuld und Unschuld verwische, hieß es. Anstelle der möglichen Urteile würden die Geschwätzigkeit und das Moralisieren über den Lebensstil von "bekannten" Personen in den Vordergrund treten.

Nicht nur im Paparazzi-Skandal werden massiv abgehörte Telefongespräche veröffentlicht. Wochenlang machten italienische Zeitungen abgehörte Telefonate von Dutzenden Schiedsrichtern, Clubchefs und Spielern publik, die in den Sog des ausgedehnten Manipulationsskandals im italienischen Fußball geraten sind. (APA)

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