Wertlose Lebensmittel, die nie funktionieren

25. Juli 2000, 12:40

Schweiz: Anti-Fettpillen im Visier des Kantonschemikers

Das Zürcher Kantonale Labor will Vertreibern von zweifelhaften Anti-Fettpillen an den Kragen. Das Labor habe seit Jahresbeginn mehrere Strafanzeigen gegen solche anonymen Anbieter eingereicht, sagte der Zürcher Kantonschemiker Rolf Etter Reuters. Mit solchen Mittel würden immer wieder eine grosse Zahl von Konsumenten übers Ohr gehauen. Dies geschehe mit mehr oder weniger frei erfundenen Behauptungen, die in ganzseitigen Inseraten in fetten Lettern und mit den immer gleichen Vorher-Nachher-Abbildungen ihre Wirkung offenbar nicht verfehlten. Auch wer solche Anzeigen abdruckt, verstösst nach Ansicht des Chemikers gegen das Gesetz.

Täuschungsverbot

Aber Schlankheitsmittel seien an sich Heilmittel. Die im Visier des Kantonslabors stehenden Mittelchen wie beispielsweise Pillen aus Karotten-, Spargel oder Apfelessigpulver seien aber allesamt "wertlose Lebensmittel, die nie funktionieren", sagte Etter. Damit verstiessen solche Inserate in eklatanter Weise gegen die eidgenössische Lebensmittelverordnung. Im Artikel 19 der Verordnung sei klar ein Täuschungsverbot verankert, wonach Lebensmittel nicht als Heilmittel angepriesen werden dürfen, so Etter.

Zum Vertrieb der wertlosen Produkte zu einem hohen Preis trügen auch Medien bei, indem diese aus den offensichtlich gesetzwidrigen Inseraten Profit schlagen. Deshalb reiche das Zürcher Kantonslabor auch gegen die verantwortlichen Anzeigeleiter Strafanzeige ein. Weil das Täuschungsverbot im Lebensmittelgesetz festgeschrieben sei, sieht Etter die Pressefreiheit nicht tangiert.

Insgesamt habe das Zürcher Kantonslabor im vergangenen Jahr 19.431 Proben untersucht, die neben Trinkwasser und Milch auch weitere Lebensmittel, aber auch Gebrauchsgegenstände wie Kosmetika, Verpackungen, Geschirr, Spielwaren oder Kleider für Kleinkinder umfassten, wie es im Jahresbericht 1999 des Labors hiess. Daraus resultierten 2436 Beanstandungen. Gezielte Proben in Lebensmittelbetrieben hätten Hygienemängel vor allem bei Schlagrahm, Schinken und Teigwarengerichten gezeigt. In 17 Fällen musste laut Bericht Teilbereiche der Betriebe geschlossen werden, sechs Betriebe wurden vom Zürcher Lebensmittelinspektorat bis zur Sanierung ganz geschlossen. Ein gutes Zeugnis konnte das Labor hingegen dem Trinkwasser im Kanton Zürich ausstellen, das 1999 eine einwandfreie Qualität aufgewiesen habe. (Reuters)

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