Zweieinhalb Jahre Haft für Gründer von Japans Skandalfirma Livedoor

27. März 2007, 11:35
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Einstiger Börsenstar Horie beteuerte bis zuletzt seine Unschuld

Im Prozess um das japanische Skandalunternehmen Livedoor hat ein Gericht in Tokio den Firmengründer Takafumi Horie zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte im Dezember vier Jahre Haft gefordert. Sie machte den 34-jährigen einstigen Börsenstar für Bilanzfälschungen verantwortlich, mit denen das Unternehmen 2004 Verluste verschleiert hatte. Horie selbst wies bis zum Schluss jede Schuld von sich. Die Richter in dem auch international stark beachteten Prozess statuierten mit dem Schuldspruch am Freitag ein Exempel, da in Japan Konzernmanager bei Wirtschaftsvergehen normalerweise mit Bewährungsstrafen davonkommen.

Die Staatsanwaltschaft beschuldigte Horie, seine Mitarbeiter zu den Manipulationen angehalten zu haben. Deshalb hätten sie Umsatz und Gewinn der Firma um Millionenbeträge aufgebläht und den Aktienkurs durch eine vorgetäuschte Akquisition manipuliert. Finanzvorstand Ryoji Miyauchi und weitere Ex-Manager haben ausgesagt, dass sie Horie über die dubiosen Bilanzpraktiken informiert hätten. Dieser erklärte jedoch, er habe nichts von den Betrügereien in seinem Konzern gewusst.

Der Livedoor-Skandal hatte Anfang 2006 in Japan beispiellose Turbulenzen ausgelöst. Nachdem die Ermittlungen bekannt geworden waren, musste die Börse in Tokio erstmals in ihrer Geschichte den Handel aussetzen: Eine Flut von Verkaufsanträgen hatte das Computersystem völlig überfordert.

Der Skandal schlug umso höhere Wellen, als Horie schon zuvor eine besonders schillernde Figur gewesen war. Der exzentrische Jungunternehmer, der sich in seinem Auftreten und seinen Geschäftsmethoden stets provokativ von der konservativen japanischen Geschäftswelt abzusetzen bemühte, hatte in kürzester Zeit etliche Firmen aufgekauft und sich ein mächtiges Internet-Imperium aufgebaut. Sein extravaganter Lebensstil sorgte auch in der Boulevardpresse für Schlagzeilen. Horie wurde im Jänner 2006 verhaftet und drei Monate später gegen eine Millionen-Kaution auf freien Fuß gesetzt.

Das öffentliche Interesse an dem Prozess war riesig. Das Urteil wurde, kurz nachdem Horie den Gerichtssaal betreten hatte, verlesen. Hunderte Journalisten verfolgten den Prozess. (APA/Reuters)

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