Israel Singer aus World Jewish Congress ausgeschieden

19. März 2007, 12:00
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Kritik an mangelhafter Kontrolle des Umgangs mit Spenden - Israelische Zeitungen berichten über Spaltung des WJC

Jerusalem/New York - Im Jüdischen Weltkongress (World Jewish Congress/WJC) tobt nach israelischen Medienberichten ein Machtkampf, in dessen Verlauf der ehemalige Generalsekretär Israel Singer ohne Angabe von Gründen aus der Organisation entfernt worden ist. Nach Informationen der israelischen Tageszeitung "Haaretz" informierte WJC-Präsident Edgar Bronfman den in Brooklyn aufgewachsenen Sohn österreichischer Flüchtlinge in einer Konferenzschaltung über den Ausschluss. Singer habe keine Möglichkeit gehabt, dazu Stellung zu nehmen. Vertreter aus Europa und Israel beklagten Unregelmäßigkeiten und drohten als Reaktion auf die Entscheidung mit einem Austritt aus dem Weltkongress.

Bereits im Februar 2006 hatte Singer jede Verantwortung für die Finanzen der Organisation abgeben müssen, nachdem die New Yorker Staatsanwaltschaft eine mangelhafte Kontrolle des Umgangs mit Spendengeldern kritisiert hatte. Er musste daraufhin nach Medienberichten 318.000 Dollar zurückerstatten.

"Israel Singer gehört dem WJC und seinen Organisationen nicht mehr an", heißt es in einem mit 14. März datierten internen Info-Brief des Jüdischen Weltkongresses. Darin werden Singers Einsatz für die Juden in der vormaligen Sowjetunion, seine Enthüllungen zur Vergangenheit des ehemaligen österreichischen Bundespräsidenten und UNO-Generalsekretärs Kurt Waldheim als Offizier der deutschen Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg, sowie sein Einsatz für einen Dialog zwischen den Religionen gewürdigt.

Israelische Medien verwiesen am Freitag unter anderem auf ein erbittertes Ringen um die Kontrolle des Jerusalemer WJC-Büros. Singer habe sich geweigert, in dem Machtkampf für die eine oder andere Seite Stellung zu beziehen und damit Führungsmitglieder aus New York verärgert, berichtete die "Jerusalem Post". Die Entscheidung wurde laut den Berichten unter Führung Bronfmans getroffen. Während einer Telefonkonferenz sei auch eine umstrittene Resolution angenommen worden, mit der alle Zahlungen an die israelische Sektion gesperrt und eine Finanzprüfung im Jerusalemer Büro beschlossen wurde. Bronfman wurde demnach beauftragt, einen neuen Bürochef für Jerusalem zu suchen.

Fürsprecher Singers seien bei der Telefonkonferenz wegen "technischer Probleme" nicht zu Wort gekommen, hieß es in den israelischen Berichten. Der Ablauf des Verfahrens sei eine "Schande", wurde kritisiert. "Mein Mikrofon war nach einigen Minuten abgeschaltet. Ich konnte nur noch hören, nicht mehr reden", kritisierte der Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses, Pierre Besnainou, die Vorgehensweise in einem Schreiben an Bronfman. Er forderte, Entscheidungen von größerer Tragweite zurückzunehmen.

Der WJC wurde 1936 zur Mobilisierung der Weltöffentlichkeit gegen Nazi-Terror gegründet und repräsentiert inzwischen nach eigenen Angaben jüdische Gemeinden und Organisationen in fast 100 Ländern. (APA/dpa)

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    Israel Singer ist schockiert über seinen Ausschluss aus dem World Jewish Congress.

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