Telekom Austria erwartet heuer Milliardenverluste

27. Juli 2000, 16:53

Börsengang im Herbst soll dennoch Erfolg werden - Abbau von 5000 Mitarbeitern binnen fünf Jahren geplant

Wien – Die Bilanz der Telekom Austria (TA) wird sich heuer blutrot färben. Das Unternehmen will einen Großteil der Kosten für die geplante Umstrukturierung und den Personalabbau in der Bilanz des laufenden Jahres unterbringen.

"Das heißt, wir werden heuer einen Verlust im Milliardenbereich schreiben", sagte der Vorstandsvorsitzende der TA, Heinz Sundt, in einer Pressekonferenz am Mittwoch. Der Verlust werde aber "sicher weniger als fünf Mrd. S" ausmachen. Bisher hatte man in der TA noch mit einigen Hundert Millionen Schilling Gewinn gerechnet. Im Vorjahr ist das Betriebsergebnis (Ebit) von 11,5 auf 6,2 Mrd. S eingebrochen, das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) hat sich auf 3,5 Mrd. S mehr als halbiert.

"Wir haben uns entschlossen, die Kosten vorzuziehen und reinen Tisch zu machen", sagte Sundt. Am Börsengang im Herbst werde dennoch festgehalten. Man sei überzeugt, dass das Going Public ein Erfolg werde, da für Analysten und Investoren in der TA viel Fantasie stecke. 2001 soll das Unternehmen inklusive dann noch notwendiger außerordentlicher Aufwendungen zumindest ausgeglichen bilanzieren. Ab 2002 will man wieder deutlich in der Gewinnzone sein.

ÖIAG-Vorstand Johannes Ditz bekräftigte, dass das Vorziehen der Umstrukturierungskosten die Chancen für den Börsengang erhöhe. "Das wird vom Kapitalmarkt sehr positiv gesehen", sagte er dem STANDARD.

Neben Wien wird die TA-Aktie auch noch an anderen Börsen gelistet, sagte Sundt. Welche dies sind und welche Tranchen dort gehandelt werden sollen, ließ er offen.

Fantasie für die Anleger sieht Sundt im geplanten Umbau der TA in einen Internet-und Medienkonzern. Die Bündelung der Internetaktivitäten in der neu gegründeten Gesellschaft Jet2Web Net soll garantieren, dass die TA ihre derzeit schon beherrschende Marktstellung weiter ausbauen kann. Das notwendige Geld für den Ausbau der Internetschiene soll durch einen zweiten Börsegang hereinkommen, wobei ein "secondary offering" üblicherweise ein Dreiviertel- bis ein ganzes Jahr nach dem ersten Börsegang erfolge. "Ich will mich darauf aber nicht festlegen", sagte Sundt.

Allein der geplante Abbau von 5000 Mitarbeitern binnen fünf Jahren schlage mit rund fünf Mrd. S zu Buche, sagte der TA-Chef. Darin inkludiert seien die Kosten für ein Golden-Handshake-Programm, für Frühpensionierungen und Umschulungen. Dafür werde man großteils in der heurigen Bilanz Vorsorge treffen, sagte Sundt. Vom Personalabbau primär betroffen seien die technischen Bereiche in der TA, wo 12.000 der insgesamt 15.000 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Kosteneinsparungen und geringeren Widerstand beim Umbau der TA erwartet sich Sundt durch die Gründung einer eigenen Personalgesellschaft, in die sämtliche Mitarbeiter der TA eingebracht werden sollen. Sollten die Rechtsgutachten für diese Konstruktion positiv ausfallen, werde die Gesellschaft ab Oktober "physisch zur Verfügung stehen", hieß es.

Dabei will man erreichen, dass möglichst viele TA-Mitarbeiter ihren Beamtenstatus aufgeben und als ASVG-Bedienstete weiterwerken. Von den 15.000 Beschäftigten sind derzeit rund 80 Prozent Beamte. "Leistungsfähige Beamte werden ein attraktives Angebot sicher honorieren", sagte Sundt. Für Beamte ab 45 Jahren will man Sozialprogramme schnüren. (stro/ef)

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