Whiskey für Anfänger und Fortgeschrittene

17. März 2007, 17:00
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Old Jameson Distillery in Dublin öffnet Tore zu neuem Besucher­zen­trum - Whiskey gebrannt wird aber längst auswärts - Dennoch: Auf in die Pubs des "schwarzen Tümpels"

In den Pubs ist das Rauchen zwar schon seit längerem verboten, aber das Trinken nicht. Getrunken wird wie ehedem, und das könnte auch der Grund sein für das smarte Grinsen der Kellner hinter der Bar: Sie machen weiterhin ihr Geschäft und können dabei sogar frei atmen.

Das rigide Rauchverbot (bis zu 3000 Euro Strafe) hat die irischen Lokale jedenfalls nicht leer geräumt. Alle noch da. Und neue Kundschaft, die bis zur "Wende" wegen gefürchteter Schleimhautreizungen dem geselligen Zusammensein fern blieb, ist hinzugekommen: Omis mit Einkaufstaschen, die auch ab und zu mittels frisch Gezapftem abspannen möchten. Oder Mütter, die mit ihren Kinderwägen im gigantischen Phoenix Park von Dublin (mit 710 Hektar eine der größten städtischen Parkanlagen der Welt) ihre Runden gezogen haben und sich, bevor es wieder Karottenmus heißt, ein kleines Guinness gönnen. Das gefällt sogar den Burschen.

Das "Ryan's" in der Parkgate Street ist das älteste Pub der Stadt und deshalb ein Touristenmuss, doch das schert - typisch - die Dubliner nicht. Die sitzen erfreulicherweise auch da. Der viktorianische Prunk der Gaststätte hemmt nicht den simpelsten Durstigen. Es ist trotz allen Glanzes gemütlich dort, und das nicht nur im Separée-Teil am Ende der Theke, wo hinter einer verschließbaren Holztür "Geschäfte" angebahnt werden.

Bester irischer Pot Still Whiskey

Wer ein Guinness bestellt, liegt nie falsch. Aber wer einen Jameson Redbreast nimmt, der beweist, dass er hier schon etwas gelernt hat. Denn ein Redbreast ist der beste irische Pot Still Whiskey. Sagt jedenfalls Michael Borre von Jameson, aber nicht nur er. Flaschen werden auch bei Sotheby's gehandelt. Nach einem lehrreichen Besuch in der in Gehweite gelegenen Old Jameson Destillery im nördlichen Stadtteil Smithfield weiß man also Bescheid. Wie kleine Pennäler sitzen die Whiskey-neugierigen Gäste im hauseigenen Pub dieser heute still gelegten, einst größten Brennerei Dublins vor ihren jeweiligen Übersichtsplakaten am Tisch. Dieses zeigt dem blutigen Anfänger das Einmaleins der Whisk(e)ysorten: amerikanischer, der vorwiegend aus Mais hergestellt wird und sich auf protestantische Art mit "e" schreibt, schottischer, der mit Torf gebrannt und zwei Mal destilliert wird, und irischer, der aus reiner Gerste gemacht und drei Mal destilliert wird und deshalb etwas milder schmeckt. Auf dem interessanten Plakat steht aber nicht nur Text, sondern auch mehr als ein halbes Dutzend Stamperln (gefüllt). Es ist elf Uhr am Vormittag, und man wird bald überzeugt worden sein, dass der Red- breast so manchen schottischen Single Malt, zumindest aber jeden Bourbon aussticht.

Jameson ist der im Ausland bekannteste irische Whiskey; er wird mittlerweile in der renommierten Destillerie in Midleton (im Süden Irlands) gebrannt. Sie beherbergt die mit über 126.000 Liter größte Pot Still (Brennblase) der Welt. Ironie des Schicksal ist es, dass sein Namensgeber John Jameson ausgerechnet ein Schotte war, der sein Destillerieimperium um 1780 in Dublin gegründet hat. Bis dahin gab es in Irland hauptsächlich nur illegale Brennereien, die in kleinen Hütten in versteckten Landstrichen ihr aqua vitae brannten und noch heute genügend Stoff für Legenden abgeben.

Sláinte!

Die heute still gelegte und am 17. März mit einem neuen Besucherzentrum eröffnende Old Jameson Destillery passt in ihrer dunkler Ziegelpracht gut in den Stadtteil Smithfield. Hier, nördlich des Flusses Liffey, ist die Stadt (Dublin = "schwarzer Tümpel") ärmer und die Häuser schwärzer. Die schicken Einkaufsstraßen und die hübscheren, wenn auch nicht weniger sympathischen Pubs, die dann eventuell mit einer Joyce-Lounge aufwarten können, findet man im Süden. Zum Beispiel die unübersehbare "Temple Bar" im gleichnamigen Stadtteil, die ihren rauchenden Kundschaften den Innenhof beheizt.

Whiskey trinkt man beinahe rund um die Uhr. Von - bewiesenermaßen - vormittags bis, na ja, open end. Anstelle eines G'spritzten zum Mittagessen genehmigt sich der überzeugte Ire eben seinen Whiskey, "halbe-halbe", so Michael Borre, und prostet seiner Tischgesellschaft zu: Sláinte! (sprich: Slontscha!).

Whiskey am Abend: Bei "Johnnie Fox's" außerhalb der Stadt. Nach einer einstündigen Autofahrt durch die südöstlichen Vorstadthügel von Dublin führt der Weg zu jenem urigen Hüttenagglomerat in den "Bergen", in dem bereits Bill Clinton zu Gast war. Der Hybrid aus Pub und Restaurant serviert die allerbesten Fischgerichte (besonders gut und reichlich: Muscheln) und die heißeste Stepptanzrevue nach Riverdance-Art. Hier wird für Touristengruppen echt gälisch abgerockt. Die vierköpfige Altherrenband wechselt nach irischen Weisen zu späterer Stunde dann doch zu Johnny Cash über und macht für die üblicherweise eng sitzenden Gäste auf den simplen Brauhausmöbeln (nicht Bauhaus) das Reden allmählich überflüssig. Dafür aber das Trinken wieder umso logischer. (Margarete Affenzeller/Der Standard/Rondo/16/03/2007)

Anreise: Direktflüge Wien-Dublin mit Air Lingus.

Old Jameson Destillery, Dublin/ Smithfield: Neueröffnung am 17. März 2007, täglich 9-18 Uhr
Jameson Whiskey

Johnnie Fox's Pub

Unterkunft: Comfort Inn Hotel, Dublin

Irlandinformation: Entdecke Irland
  • Sieben, zwölf oder über zwanzig Jahre. Jameson Irish Whiskey nimmt während seiner Lagerung in Eichenfässern gegebenenfalls auch den salzigen Geschmack der Küstenluft an.
    foto: jameson irish whiskey

    Sieben, zwölf oder über zwanzig Jahre. Jameson Irish Whiskey nimmt während seiner Lagerung in Eichenfässern gegebenenfalls auch den salzigen Geschmack der Küstenluft an.

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