US Federal Reserve - Endgültiger Abschied von der Geldmengenpolitik

25. Juli 2000, 17:07

Auch damit verbundene Pressekonferenzen aufgegeben - Enttäuschung bei den Mitgliedern der monetaristischen Fraktion

Washington (vwd) - Während geldpolitische Beobachter in Euroland der Europäischen Zentralbank (EZB) wieder in stärkerem Maße eine Fokussierung auf die Geldmenge im Rahmen ihrer Zwei-Säulen-Strategie nahelegen, ist man in den USA weiter als je zuvor von einer geldmengenpolitischen Orientierung abgerückt. Nachdem - was in Europa noch längst nicht bei allen Betrachtern der geldpolitischen Szenerie angekommen ist - der Humphrey-Hawkins-Act von 1978 ausgelaufen ist, besteht für die US Federal Reserve (Fed) keine Notwendigkeit mehr, jährliche Geldmengenziele vorzugeben. Entsprechend erfordern auch Abweichungen der tatsächlichen Entwicklung vom Ziel keine Rechtfertigung der US-Notenbank mehr.

Wenngleich die Federal Reserve natürlich weiterhin wöchentlich die Entwicklung der verschiedenen Geldmengenabgrenzungen publizieren wird, werden auch die damit verbundenen (erläuternden) Pressekonferenzen aufgegeben. Immerhin aber zeigte sich der Offenmarktausschuss (FOMC) der Fed im Rahmen seines Halbjahresberichts an den Kongress noch zu der Bemerkung bereit, dass das Verhalten von Geld- und Kreditaggregaten "weiterhin von Wert für die Beurteilung der wirtschaftlichen und finanziellen Rahmenbedingungen sein wird."

Fed-Watcher legten wenig Wert auf Beobachtung von Geldmengenentwicklungen

Tatsächlich haben die meisten Fed-Watcher in den vergangenen Jahren bereits wenig Wert auf die Beobachtung und die Interpretation von Geldmengenentwicklungen gelegt. Fed-Chairman Alan Greenspan selbst hat die Rolle geldmengenpolitischer Konzeptionen vor dem Hintergrund eines recht volatilen Zusammenhangs zwischen monetären Aggregaten auf der einen und dem US-Nominaleinkommen bzw. der reinen Preisentwicklung auf der anderen Seite immer wieder öffentlich heruntergespielt und dabei auf die wenig stabile Geldnachfrage verwiesen. Auf wissenschaftlicher Seite wurde er dabei zumeist durch entsprechende empirische Untersuchungen bestätigt.

Dennoch dürfte seit vergangenem Donnerstag die Enttäuschung vor allen bei den Mitgliedern der monetaristischen Fraktion unter den US-Ökonomen groß sein, glauben sie doch noch immer, dass ein stetiges Geldmengenwachstum der Schlüssel für eine stabile Wirtschaftsentwicklung ist. Und mit Blick auf längerfristige Betrachtungshorizonte räumen viele Ökonomen der Geldmengenentwicklung die Eigenschaft eines guten Vorläuferindikators für Inflation und Wachstum ein. Darüber hinaus verweisen viele Kritiker darauf, dass die Fed sich immer stärker von einer auch nur ansatzweisen Regelbindung ihrer Politik wegbewegt. Die Gefahr einer rein reaktiven Politik steigt damit zunehmend. (vwd)

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