Morbide Kellerromantik

15. März 2007, 19:28
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Walter Kieltsch bat unter dem Überbegriff "Unterwelt und Tod" in seine fünf Keller

Im echten Leben haben Keller wenig mit dem Tod zu tun. Darum führt Walter Kieltsch in der Wiener Habsburgergasse auch ein Wein- und kein Grufti-Lokal (www.villon.at). Aber die Faszination von Katakomben fußt halt mehr auf "Nekro-" denn "Öno"-Reizen. Also bat Kieltsch Mittwochabend unter dem Überbegriff "Unterwelt und Tod" in seine fünf Keller: Peter Ryborz, durch seine "Untergrund"-Wanderungen im Wienflussbett bekannt, zeigte Bilder seines Unterwelts-Zykluses, der Filmemacher Thomas Lindermayer präsentierte den Film "Subterra Incognita", der gut zu Julia Solis und Eku Wands Fotoserie "Roma Sottereana" passte - und Guido Hounder las Adalbert Stifters "Gang durch die Katakomben". Und während die Klang- und Bildinstallationen des Bunkerforschers Marcello la Speranza den Keller als "echtes" Bunker-Thema behandelten, passte Harald Köcks "Sixteen Feet Under" eher assoziativ: Die Holztische und Gitterabteile, die Köck da mit Bildern aus der Pathologie umrankte, haben im echten Leben nämlich eine eher lebensfrohe Funktion: als private Weinlager. Aber in Wien gehört derlei eben zusammen. Nicht nur im Keller. (Thomas Rottenberg, DER STANDARD - Printausgabe, 16. März 2007)
  • Der Tod unter der Stadt: Kieltsch (unten), Köck.
    foto: thomas rottenberg

    Der Tod unter der Stadt: Kieltsch (unten), Köck.

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