Von Sternchen und Luftschlössern

29. März 2007, 14:24
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Dem ÖFB-Team werden zwei Kaliber vorge­setzt - Hickers­berger, der verbissen nach Stürmern sucht, erwartet in erster Linie "Fußball"

Wien - Um die nationale Beunruhigung in Sachen Fußball und EURO 2008 zu fördern, musste Teamchef Josef Hi-ckersberger folgendes feststellen: "Diesmal ist es besonders schwierig." Was diesen tapferen Mann aber nicht davon abgehalten hat, am Donnerstag einen Kader für gleich zwei Länderspiele bekannt zu geben. Am 24. März kommt Ghana nach Graz (20:30), vier Tage später, also am 28., tritt Österreich ganz freiwillig in Paris gegen Frankreich an.

Und Hickersberger hat tatsächlich 23 Kicker gefunden, die sich diesen Aufgaben "gegen zwei Weltklasseteams" stellen dürfen, müssen, vielleicht sogar können. Es wird ein längeres Miteinander sein, die Mannschaft ist ab Montag in Stegersbach einquartiert. Dort wird sie übrigens auch während der EURO hausen.

Zur speziellen Schwierigkeit: Das Land vermisst Stürmer. "Es herrscht ein akuter Mangel", sagte Hickersberger, und man war geneigt, ihn zu trösten. Sanel Kuljic hat seinen Vertrag beim FC Sion gekündigt, der Klub schuldet ihm angeblich 80.000 Euro. "Ob er berechtigt oder unberechtigt ausgetreten ist, kann ich nicht beurteilen. Aber es darf nicht sein, dass irgendwelche Präsidenten nach Lust und Laune Gehälter auszahlen. Fußballer sind auch Menschen, die sensibel reagieren." Der Teamchef zeigte Einfühlungsvermögen und berief Kuljic trotzdem ein.

Ob Marc Janko eine Verstärkung sein könnte, wird Hickersberger wohl nie erfahren, der Stürmer von Salzburg ist zur Abwechslung verletzt. Erwin Hoffer, den sich Rapid einst aufgrund der Schnelligkeit geangelt hat, trainiert, baut sich auf, soll in ein paar Wochen wieder dem Beruf nachgehen können. "Aber wir reden von Sternchen, keinen Sternen. Die Wunderwuzzis lassen sich nicht erfinden", dämpfte Hickersberger die ohnehin niedrigen Erwartungen. "Wir alle müssen uns der Realität bewusst sein und daraus das beste machen."

Überforderung

Sternchen Roland Linz hat seinen Stammplatz bei Boavista Porto eher verloren, sein letzter Treffer ist nicht mehr wahr. Fürs ÖFB-Team reicht das allemal. In höchster Not wurde der 32-jährige Mario Haas reaktiviert, vielleicht bekommen Roland Kollmann und Christian Mayrleb auch noch eine Chance. Irgendwann, vor der EURO.

Es schickt sich, in der Vorbereitung neue Kräfte zu testen, Mattersburgs Cem Atan debütiert. Er ist 21 Jahre alt und im Mittelfeld tätig, Hi-ckersberger hat sich mit Atans Alltagstrainer Franz Lederer unterhalten. Lederer meinte, dass der Bursche überfordert sein könnte. Was den Teamchef kalt ließ. "Überforderung trifft auf andere auch zu."

Sparsamkeit

Über den Niedergang des GAK zeigte sich Hickersberger nicht wirklich erstaunt. "Schon als ich bei Rapid war, wusste man, dass sie sich das eigentlich nicht leisten können. Wie einst der FC Tirol. Ich kann nur appellieren, dass die Liga strenger kontrolliert. Und dass die Klubs nur das ausgeben, was sie haben." Rudolf Edlinger sei fast die Ausnahme: "Er wurde wegen seiner Sparsamkeit kritisiert. Recht hatte er. Rapid ist finanziell abgesichert. Es kann nicht sein, dass nur in Luftschlösser investiert wird."

Andreas Herzog, der Teamassistent, prangerte wieder einmal die Flut an mittelmäßigen Legionären an: "Jede Nachwuchsarbeit ist sinnlos, wenn man die Leute nicht einsetzt." Die Vorfreude des Teamchefs auf die Länderspiele ist "noch begrenzt". Was er erwartet? " Fußball." (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 16. März 2007, Christian Hackl)

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    Der Mattersburger Debütant Cem Atan kann zeigen, dass er zumindest ein Sternchen des Fußballs ist.

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