Die Insel der Reichen

Redaktion, 19. März 2007, 17:36
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    foto: diagonale © navigator film

    Keine Verkehrskontrolle, sondern eine Erziehungsmethode: Im Schweizer Eliteinternat Zuoz wird die Zuverlässigkeit von Schülern mit modernen Mitteln getestet

Kontrolle, Disziplin und Gespräche über Armut: Daniella Marxer erforscht in ihrem Dokumentarfilm "Zuoz" die inneren Abläufe eines Schweizer Eliteinternats

Der Kontrollgang des Erziehers führt in verdunkelte Innenwelten. Ein Zimmer nach dem anderen betritt er bestimmt und sieht nach, ob die Studiumszeit eingehalten wird. Dabei erhascht man ein paar Ansichten der meist mit Postern ausgeschmückten Wände – einer der wenigen Orte im Schweizer Eliteinternat Lyzeum Alpinum Zuoz, wo der Ausdruck von individuellen Vorlieben von Jugendlichen toleriert wird. An einer der Türen steht daher auch: "No trespassing!".

In Daniella Marxers Dokumentarfilm Zuoz geht es auch in einem erweiterten Sinn um Einblicke und Übertritte, zeichnet sich doch jedes Internat zunächst durch seine Geschlossenheit aus: Ein imposantes Gebäude, leicht erhöht über einem pittoresken Alpinort gelegen, gleicht Zuoz im speziellen Fall tatsächlich einer hermetischen Welt, die von ihren eigenen Regeln und Verhaltenspraktiken gekennzeichnet ist.

Hierarchie und "Ulti"

Im Gestus eines stillen Beobachters, ohne Interviews und Off-Kommentare, dringt der Film in diese vor und orientiert sich dabei, mit der Ausnahme eines Erziehers, an keinen hervorgehobenen Protagonisten, sondern an einzelnen Knotenpunkten der Institution. Die Schülerbelegschaft ist äußerst wohlhabend und international – ein Mexikaner, eine Taiwanerin, etliche Amerikaner, aber auch viele Schweizer sind im Film zu sehen. Hierarchien sind allgegenwärtig und Teil jenes Programms, welches das soziale Miteinander reglementiert: So liegt es an den älteren Schülern, die jüngeren zu maßregeln, wenn sich Verfehlungen häufen. Bei harschen Regelverstößen droht das "Ulti" – ein Ultimatum, das bei neuerlichen Problemen mit dem Rauswurf endet.

Auffällig an dem Disziplinarmodell des Internats ist dennoch seine Modernität: Alkoholtests werden mit polizeilicher Ausrüstung durchgeführt; Autorität wird nicht mit strengem Habitus untermauert, sondern vielmehr im jovialen Managertonfall vermittelt. Dass diese allerdings nicht weniger rigide durchgreift, das zeigt später der Fall einer Überschreitung der nächtlichen Geschlechtertrennung.

Der Reichtum der Schüler ist konstantes Thema des Films, aber nie so direkt wie in einer Unterrichtsstunde, in der es um Armut geht. Hier bildet sich erstaunlich viel Bewusstsein davon ab, wie eng der eigene Wohlstand mit der Not anderer in Verbindung steht. Würde man die eigene Insel für ein Jahr verlassen, um zu erfahren, was richtige Armut bedeutet? "Man kann die Insel verlassen oder genau das Gegenteil tun: die Insel versenken", antwortet ein Schüler schlagfertig. Vorerst gilt es aber auch in Zuoz, mit dem Saubermachen des Zimmers zu beginnen. (Dominik Kamalzadeh DER STANDARD, Printausgabe, 20.03.2007)

20. 3., UCI Annenhof 7, 11.30; Wh.: 21. 3., Geidorf 1, 22.15

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