Grandezza, zart, boshaft, räudig

Redaktion, 19. März 2007, 17:52
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    foto: diagonale © viewfinders videoproduktionen

    Oliver Rosskopf und Andreas Biber im neuen Film von Peter Kern: "Die toten Körper der Lebenden"

Ein Mann gibt nicht auf, und das ist gut so: Der Autor, Regisseur und Schauspieler Peter Kern wird, nachdem er vor ein paar Jahren nach Österreich zurückgekehrt ist, von heimischen Film- und Kulturförderstellen bevorzugt wenig bis überhaupt gar nicht wahrgenommen

Also hält er sich gleichsam an die Parole von Herbert Achternbusch, der (über Bayern) einmal sagte: "Dieses Land hat mich kaputt gemacht, und jetzt mache ich so lange weiter, bis man das dem Land anmerkt."

Immerhin hat Elfriede Jelinek ihm in Babel einen eigenen Monolog gewidmet: Kern, der Lebenskünstler und die Kunst Lebende und Liebende, hat seinen (Trash-)Thron im Pantheon des deutschsprachigen Underground also schon sicher. Und wenn Österreich seinem in Arbeiten mit Fassbinder, Zadek, Schlingensief durchaus berühmt gewordenen Sohn Liebe nicht zuteil werden lässt, dann vergilt ihm dieser das mit boshaftester Großzügigkeit: Zuletzt entstanden No-Budget-Filme mit beredten Titeln wie Haider lebt – 1. April 2021 (2002) oder Donauleichen (2005). Und jetzt eben, entstanden aus einer Jean-Genet-Inszenierung, mit der Kern im Vorjahr die Wiener Off-Szene beschenkte: Die toten Körper der Lebenden.

Weitergedacht und weitergespielt wird hier die Geschichte der beiden schwulen Verbrecher Java und Lucien (aus Genets Kurzfilm Un chant d’amour), die – bei Kern verkörpert von Oliver Rosskopf und Andreas Biber – einer Wiener Gefangenenanstalt entfliehen und im sinistren Separee eines genüsslich verwelkenden "Altstars" (Traute Furthner) Opfer und Täter zugleich werden.

Einmal mehr frappiert die Grandezza, mit der Kern noch aus den grindigsten Aufnahmebedingungen lyrische, ja opernhafte Momente gewinnt. Alles an seinen Filmen und also auch an diesem widerspricht der (ohnehin fragwürdigen) Nummer sicher, auf die man im heimischen Film und Fernsehen bevorzugt setzt: großes Kontrastprogramm! (Claus Philipp / DER STANDARD, Printausgabe, 20.03.2007)

21. 3., UCI Annenhof 7, 16.45; Wh: 24. 3., Schubert, 22.00

kava
00
26.3.2007, 11:43
PFUI!

Ich will erst gar nicht genauer darauf eingehen, aber so einen Mist hab ich noch nie gesehen. Herr Kern bleibt zurecht unbeachtet. Eine Frechheit für die Leinwand.

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