Die Ernährungskur für Kühe - zur Methanreduktion

19. März 2007, 11:56
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Geplantes Forschungsprojekt will Art Riesenpille, spezielle Diät und neue Fütterungszeiten verbinden

Hohenheim - Eine Ernährungskur für Kühe soll den Ausstoß des Treibhausgases Methan bei Rindern reduzieren. In einem geplanten Forschungsprojekt entwickeln Wissenschaftler der Universität Hohenheim einen Vormagen-Bolus, eine Art Riesenpille, die in Kombination mit einer speziellen Diät und anderen Fütterungszeiten die klimaschädlichen Aufgasungen bei Kühen verringern soll. "Unser Ziel besteht darin, das Wohlbefinden der Tiere zu steigern, den Treibhausgas-Ausstoß zu reduzieren und dabei gleichzeitig die Produktion in den landwirtschaftlichen Betrieben zu erhöhen", sagt Projektleiter Winfried Drochner vom Lehrstuhl für Tierernährung der Universität Hohenheim.

Geplante Energienutzung

"Das von den Rindern ausgestoßene Methan enthält viel Energie, die bislang aber nicht aufgefangen und genutzt wird", sagt Drochner. "Mit der Riesenpille könnte es uns gelingen, diese Energie für den Stoffwechsel der Kühe nutzbar zu machen, etwa um Glukose zu produzieren." Dies könne etwa die Milchleistung der Tiere erhöhen. In dem Bolus wollen die Forscher den Kühen angekeimtes Getreide oder daraus gewonnene Extrakte auf die Speisekarte setzen. "Keimlinge enthalten Stoffe, die die Methanbildung reduzieren und das Futter für die Kuh besser verwertbar machen. Die antibiotische Wirkung dieser natürlichen Stoffe haben wir in Versuchen bereits nachgewiesen", sagt Drochner. "Als faustgroße Riesentablette könnten mikrobiell wirksame Stoffe mehrere Monate im Kuhmagen liegen und sich dabei langsam auflösen."

Verbesserter Stoffwechsel

Eine weitere Einflussmöglichkeit um den Treibhausgas-Ausstoß zu reduzieren, ist eine Fütterung im Tagesverlauf mit fettreicherer Nahrung. "Ein Tier, das regelmäßig kaut und verdaut, verbessert seinen körpereigenen Stoffwechsel", sagt Drochner. Der Bolus sei jedoch effizienter und würde es zugleich ermöglichen, auch Tiere in extensiver Tierhaltung - etwa in Argentinien - zu versorgen.

Kühe produzieren das Treibhausgas Methan während der Verdauung von Gras. Es bindet Wasserstoff, ein Abfallprodukt dieses chemischen Prozesses. Gemeinsam mit anderen Gasen, die während dieser Fermentation entstehen, sammelt sich das Methan so lange im Magen der Kühe, bis diese es an die Umwelt abgeben: durch Rülpsen. Auf diese Weise tragen Rinder mit etwa vier Prozent zur globalen Erderwärmung bei. (pte)

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