Aus den Sofiensälen wird ein Innenhof

15. März 2007, 20:05
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Mit großen Veranstaltungen ist es vorbei - Bis 2010 sollen 200 Wohnungen sowie Büroflächen entstehen

Wien – Die schillernden Bälle, glanzvollen Konzerte und lautstarken Clubbings, die sich über lange Zeit die außergewöhnliche Akustik und das noble Ambiente der Sofiensäle zunutze machten, werden in Zukunft endgültig Geschichte sein.

Allenfalls "temporäre Veranstaltungen in den Sommermonaten, in kleinem Umfang" seien nach der Renovierung der Sofiensäle vorstellbar, bekräftigte Franz Hauberl, Generaldirektor der Arwag-Holding, der am Donnerstag die Pläne für die Neunutzung des historischen Gebäudes in der Marxergasse im Bezirk Landstraße vorstellte.

Seit dem Brand im August 2001, bei dem die Dachkonstruktion und in der Folge das Bühnenhaus zerstört wurden, war der denkmalgeschützte Festsaal der Witterung und dem Verfall preisgegeben, vor rund einem Jahr übernahm die Arwag das Gebäude vom Vorbesitzer, dem Bauunternehmer Julius Eberhardt – der Kaufpreis wird bis heute verschwiegen.

Die 17.000 m2 große Fläche wird zum Großteil für 200 frei finanzierte Eigentumswohnungen genutzt, aber auch Büros, ein Gastronomiebetrieb, ein Nahversorger und eine Tiefgarage mit 240 Plätzen sind im Konzept von Architekt Albert Wimmer eingeplant. Herzstück bleibt weiterhin der Ballsaal samt Frontfassade, Stiegenhaus und Logen, die "im Originalstil restauriert" werden, wie Hauberl betonte.

"Luftiges" Dach

Im Bühnentrakt soll eine Glas-Stahl-Konstruktion errichtet, der Saal zum Teil mit einem "luftigen", möglichst transparenten Dach überzogen werden, um zumindest die noch vorhandenen historischen Bauteile vor der Witterung zu schützen. Beheizbar ist der Saal laut Haberl nicht und soll eher einen Innenhof für die Bewohner und Büromieter als einen Veranstaltungsort darstellen. Möglich seien aber Lesungen, Ausstellungen oder ähnlich geräuscharme Aktivitäten.

In der Galerie im ersten Stock soll ein Café mit Saalblick eingerichtet werden, die Logen, an welche künftig Büroflächen anschließen, werden für die Öffentlichkeit nicht zugänglich sein. Keine Rettung gibt es für das Schwimmbecken, den ursprünglichen Zweck der 1838 eröffneten Badeanstalt, die nach der Erzherzogin Sophie, der Mutter Kaiser Franz Josephs benannt wurde. Das Gemäuer unter dem einstigen Tanzparkett muss abgetragen werden, könnte aber in einen Freizeit- und Wellnessbereich für die Bewohner umgewandelt werden.

Im Laufe dieses Jahres wird in Abstimmung mit dem Bundesdenkmalamt die Detailplanung erstellt, von Anfang 2008 bis 2010 soll gebaut werden. Damit beginnt ein neuer Abschnitt für die geschichtsträchtigen "Sofies", die zehn Jahre nach der Eröffnung von den späteren Erbauern der Staatsoper – Eduard van der Nüll und August Siccard von Siccardsburg – zum damals größten Veranstaltungsetablissements Wiens umgestaltet wurden. In ihrer Glanzzeit dienten die Sofiensäkle als Kulisse für Konzerte der Familie Strauß und Uraufführungen von Arthur Schnitzlers Werken, genauso wie für Boxkämpfe und die Gründung der Österreich-Fraktion der NSDAP im Jahr 1926.

Die jüngste Nutzung als Clubbing-Location erzürnte die Anrainer, ein Hotelprojekt ging mit dem Brand unter. (kri, DER STANDARD - Printausgabe, 16. März 2007)

  • Der einstige Ballsaal der Sofiensäle: Wo sich seit dem Brand 2001 Unkraut breit gemacht hat, ...
    foto: standard/christian fischer

    Der einstige Ballsaal der Sofiensäle: Wo sich seit dem Brand 2001 Unkraut breit gemacht hat, ...

  • ... werden sich künftig Wohnungen und Büros ansiedeln. Restauriert werden die sezessionistische Front, ...
    foto: arwag

    ... werden sich künftig Wohnungen und Büros ansiedeln. Restauriert werden die sezessionistische Front, ...

  • ... ebenso wie die denkmalgeschützten Logen, über die sich ein transparentes Dach erstrecken wird.
    foto: arwag

    ... ebenso wie die denkmalgeschützten Logen, über die sich ein transparentes Dach erstrecken wird.

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