SBO baut neues Werk in Ternitz

15. März 2007, 12:40
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Ölausrüster kämpft nach rasantem Wachstum mit Fachkräftemangel - Umsatz soll 2008 über 300 Millionen Euro steigen

Wien/Ternitz - Der börsenotierte österreichische Ölfeldausrüster Schoeller-Bleckmann Oilfield Equipment AG (SBO) will mit einem neuen Werk im niederösterreichischen Ternitz kräftig weiter wachsen. 2006 und heuer investiert das Unternehmen rund 60 Mio. Euro in den Standort und eine 10.000 Quadratmeter große, neue Produktionshalle. Firmenchef Gerald Grohmann erklärte am Donnerstag in einer Bilanzpressekonferenz, er gehe dadurch von einem Umsatzschub von 50 bis 60 Mio. Euro pro Jahr aus - wirksam ab 2008. Die SBO-Aktie zog an der Wiener Börse daraufhin kräftg an.

Schoeller-Bleckmann ist nach eigenen Angaben mit großem Abstand Weltmarktführer bei der Lieferung von Teilen für Richtungsbohrungen. Der Gesamtumsatz des Unternehmens soll 2008 auf über 300 Mio. Euro ansteigen. Ziel dabei sei eine mittelfristige Umsatzrendite von 14 Prozent, sagte Finanzvorstand Franz Gritsch. SBO profitiere von der zunehmenden Ölknappheit, dem immer noch steigenden Ölbedarf und versäumten Investitionen in die Ölförderung in den vergangenen Jahrzehnten, erklärte Grohmann. Schon für heuer peilt das Unternehmen nach 2006 neuerlich ein Rekordergebnis an - alles "unter der Voraussetzung, dass der Dollar nicht verrückt spielt, und kein großer Wirtschaftsraum in eine Rezession schlittert", was derzeit aber nicht ersichtlich sei. Rund drei Viertel des Umsatzes fakturiert SBO in Dollar.

2006 stieg der Konzernumsatz um 39 Prozent auf 239,5 (172,7) Mio. Euro - 15 Prozent des Zuwachses stammten aus Preiserhöhungen, 25 Prozent aus Mengenwachstum. Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) verbesserte sich auf 46,8 (24,3) Mio. Euro. Das Konzernergebnis erhöhte sich um 99 Prozent auf 34,4 (17,3) Mio. Euro. Das Unternehmen hat damit seine vorläufigen Zahlen bestätigt.

Der Auftragsstand des Unternehmens ist in den vergangenen drei Jahren von 39 über 134 Mio. Euro auf 241 Mio. Euro 2006 gestiegen. Der Auftragsstand reiche damit derzeit bis ins erste Quartal 2008 hinein, sagte Grohmann. Er erwartet, "dass die Fortsetzung des positiven Marktumfeldes zumindest bis zum Ende der Dekade anhält und womöglich noch darüber hinaus geht, wenn die Weltwirtschaft nicht einbricht. Für heuer plant SBO in Summe neuerlich 54 Mio. Euro Investitionen - neben Ternitz auch in den USA.

Kampf gegen Arbeitskräftemangel

In Ternitz kämpft der prominente österreichische Ölausstatter mittlerweile mit einem massiven Arbeitskräftemangel. "Fachkräfte sucht man in ganz Europa und auch in den USA mittlerweile wie einen Bissen Brot. Das Problem ist viel größer, als es in der Öffentlichkeit dargestellt wird", beklagte Grohmann. Allein sein Unternehmen benötige 80 Fräser. Ebenso knapp seien qualifizierte Lehrlinge. Die angekündigte Quote für osteuropäische Arbeitskräfte sei deshalb ebenso zu begrüßen wie eine Mobilitätsprämie - allerdings sei beides wohl nur "ein Tropfen auf den heißen Stein".

Der Personalstand bei SBO in Österreich soll durch die Investitionen heuer neuerlich um fast 100 Mitarbeiter auf fast 400 ansteigen. Weltweit erhöhte sich die Personalzahl 2006 von 913 auf 1.086.

Für das neue Werk hat SBO langfristige Abnahmeverträge mit seinen Kunden abgeschlossen. Das neue Werk sei deshalb praktisch mit einer Akquisition gleichzustellen, habe demgegenüber aber viele Vorteile. Für den Kauf von Ölausrüstern müsse man derzeit schon bis zu 14 Mal den operativen Gewinn (EBITDA) auf den Tisch legen. Derartige Multiples sei man nicht bereit zu zahlen, sagte Grohmann. SBO ist selbst an der Börse derzeit mit einem Multiple von zehn bewertet.

Ewig verabschieden

"Das heißt aber nicht, dass wir uns von Akquisitionen für immer und ewig verabschieden", betonte der Firmenchef. Derzeit stehen SBO noch 50 bis 60 Mio. Euro zur Verfügung. Wenn sich eine interessante Möglichkeit ergibt, schließt das Unternehmen aber auch eine Kapitalerhöhung nicht aus.

SBO kündigte für 2006 eine Ausschüttung von 80 Cent je Aktie an - 50 Cent davon als Dividende und 30 Cent als Bonus. Für 2005 war die Ausschüttung bei 30 Cent Dividende und 20 Cent Bonus gelegen. Die Anhebung der Dividende verstehe man als Signal an die Aktionäre: "Diese Höhe können wir mittel- und längerfristig halten", so Gritsch. Ziel ist eine Ausschüttungsquote von 30 bis 60 Prozent.

Die Aktie des Unternehmen stieg am Donnerstagvormittag um fast 5 Prozent auf 36,41 Euro und liegt damit nach den vergangenen turbulenten Börsetagen wieder nahe am Jahreshoch von 38,28 Euro - erreicht Ende Februar. (APA)

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