Reiterer zu "Konkret" versetzt - Prammer protestiert

22. Juni 2007, 18:20
51 Postings

Journalistin wechselt vom "Hohen Haus" zum neuen Servicemagazin - Offener Brief der Nationalratspräsidentin an ORF

Claudia Reiterer moderiert künftig im ORF-Fernsehen das tägliche Konsumenten- und Servicemagazin "Konkret", das von Montag bis Freitag um 18.30 Uhr auf ORF 2 läuft. Das bestätigte der ORF am Donnerstag in einer Aussendung. Die ORF-Journalistin übernahm erst im vergangenen September die Moderation des Parlamentsmagazins "Hohes Haus". Der Wechsel der Innenpolitik-Journalistin sorgte im Vorfeld für Diskussionen. Medienberichten zufolge wurde Reiterer von der Spitze der ORF-Fernseh-Information mitgeteilt, dass sie auf Grund ihrer Verbindung zu ihrem Lebensgefährten Lothar Lockl - er ist seit Herbst Generalsekretär der Grünen - auf einen unpolitischen Moderatorenposten wechseln soll.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer protestiert in einem Offenen Brief gegen Reiterers Wechsel. Reiterer habe bei "ihrer Arbeit ganz entschieden unter Beweis gestellt, dass sie politische Sendungen verantwortungsbewusst, objektiv und unabhängig gestaltet." Prammer erinnert Stefan Gehrer, der "auch in Zeiten, als seine Mutter Unterrichtsministerin und stellvertretende Parteichefin gewesen ist, für den ORF nicht nur politische Beiträge gestaltet, sondern auch über Bildungspolitik berichtet" habe.

"Frauendiskriminierung" und "Sippenhaftung"

Kritiker monierten, dass im ORF erstmals wegen einer privaten Verbindung wegen Unvereinbarkeit Konsequenzen gezogen würden. Dabei gebe es in Vergangenheit und Gegenwart Beispiele für Nahe- oder Verwandtschaftsverhältnisse von ORF-Journalisten zu in der Politik tätigen Personen, bei denen es bisher keine Konsequenzen gab. ORF-intern war deshalb von einem weiteren Fall von "Frauendiskriminierung" und "Sippenhaftung" die Rede. Unternehmenssprecher Pius Strobl betonte, dass es im ORF weder "Sippenhaftung noch politische Verfolgung" geben, Reiterer werde eine bedeutende Rolle haben. Der ORF-Redakteursrat sprach sich deshalb einmal mehr für die seit langem geforderten Unvereinbarkeitsregeln für ORF-Mitarbeiter aus.

"Große Herausforderung auf zwei Ebenen"

Reiterer selbst bezeichnete den Wechsel vom "Hohen Haus", das zum aktuellen Dienst in der Fernseh-Information gehört und dort Chefredakteur Karl Amon untersteht, zum Konsumentenmagazin "Konkret", für das Magazin-Chefredakteur Johannes Fischer zuständig ist, als "große Herausforderung auf zwei Ebenen - erstens täglich spannende und die Menschen bewegende Inhalte zu produzieren und zweitens damit möglichst viele Zuseher vor dem Schirm zu versammeln". Reiterer freut sich ausdrücklich, dass ihr ihr neuer Chef Fischer "das Vertrauen dazu schenkt".

"Höchst erfolgreiche" Arbeit

Rund um ihre Bestellung zum "Hohen Haus" durch den früheren Fernseh-Chefredakteur Werner Mück meinte Reiterer auf mögliche Unvereinbarkeiten wegen ihres Partners angesprochen, dass sie hoffe, "dass ich nach meinen professionellen und journalistischen Kompetenzen bewertet werde, und nicht nach dem Beruf meiner Familienangehörigen". Der ORF lobte Reiterers Arbeit jedenfalls als "höchst erfolgreich". Sie habe beim ORF-Parlamentsmagazin "mit steigenden Quoten und hervorstechenden Exklusivgeschichten ihre große journalistische Kompetenz" bewiesen.

Reiterer startete ihre journalistische Laufbahn beim ORF 1998 im Landesstudio Steiermark. Als Reporterin berichtete sie vom Grubenunglück in Lassing. 1999 wechselte sie zum Team der "ZiB 1" und moderierte später auch die Diskussionssendung "Betrifft". Von 2002 bis 2004 präsentierte sie das Wochenmagazin "Report". Daneben gehörte sie dem "Pressestunde"-Moderatorenteam an. (APA/red)

Zum Thema
Wortlaut: Prammer protestiert gegen Reiterers Wechsel

Diskussion über Unvereinbarkeitsregeln
Strobl weist Vorwurf der "Sippenhaftung" zurück - Redakteursrat für klare allgemein gültige Regeln

  • Claudia Reiterer
    foto: orf/ali schafler

    Claudia Reiterer

Share if you care.