Medienkonzerne gegen Google - "Zu gierig für den wirklich großen Kuchen?"

11. Jänner 2008, 18:14
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Medien-Multis und Nationale-Sender wetzen gemeinsam die Messer gegen Google. Dabei schießt das eigene Engagement übers Ziel hinaus - Ein Kommentar

Während sich die Klagen gegen Videoplattformen häufen und die Medienmogule Milliarden an Schadensersatzforderungen stellen, schlittern nun auch kleine Anstalten wie der ORF ins Fahrwasser der Großen.

Heuchlerisch

Was schickt sich der Internet-Gigant Google auch an Profit aus den Inhalten Dritter zu schlagen. Noch dazu mit dieser heuchlerischen Selbstlosigkeit, die Anwender – die "Community" wie sie gesammelt so schön heißen – mit der Programmgestaltung zu beauftragen. "User-Generated-Content" ist dabei nichts weiter als vielsilbig verpackte Piraterie. Nun, manches Mal mischt sich auch ein selbst fabriziertes Desaster an filmischer Nichtkunst darunter, aber in den meisten Fällen haben wir es hier mit blankem unorganisierten Verbrechen zu tun.

Masterplan

Stimmt nicht. Denn lediglich oberflächlich scheint der User es hier mit einem wilden Durcheinander zutun zuhaben. Dabei hält "Der Pate – das alte Doppelfernrohr - Google" mit zynisch schielendem Auge straff die Fäden in der Hand. Der Puppenspieler hat jeden Schachzug akribisch genau geplant, angefangen vom Phänomen über den Hype bis hin zum Massenwahn, und manövriert sein Serverbollwerk nun in die letzte Phase des Plans. Mit einer bisher geheim gehaltenen, in den Google-Labs zusammengeschusterten Raketentechnologie, RAVAM (zu Deutsch: !Radikal Verkürzender Alterungsprozess der Mattscheibe") genannt, will Google den Lebenszyklus der Medienlandschaft drastisch beschleunigen und das Internet mit einem Jahrzehntsprung in die Pole-Position des öffentlichen Interesses bugsieren.

Miteinander heißt gegeneinander

Wer jetzt noch glaubt, das WWW wurde zu irgendeinem anderen Zweck gegründet als um den hoch geschätzten Zulieferern etablierter Medienkanäle massiv zu schaden, irrt gewaltig. Machen Sie sich nichts vor, Konvergenz hat nichts mit Zusammenschluss oder Miteinander zu tun, sie meint ausschließlich Ausbeutung mit anschließender Verdrängung des Alten! Dem Fernseher wird sprichwörtlich die Seife aus der Oper gezogen und dem Radio das Pop aus der Musik. Aber Schluss mit Ironie und dem losen Respekt, denn die Situation ist offensichtlich und die Lösung klar. Wenn DOTCOM und PUNKTDE aus fremden Kreationen Gewinne, nicht zu klein, schöpfen wollen, sollen sie auch tief in die heute üppigen Taschen greifen.

Selbstbestimmt

Nicht zuletzt erreichen MTV und CBS gerade über 8x12 ihren größten Wert. Jedes einzelne Pixel wird im Schleier des Netzgeruckels zu Gold und nimmt dem Seher auf magische Weise die Lust an der Television. Nur wer scharf denkend daneben zielt, trifft den Nagel des Werbeeffekts auf den Kopf. Vielleicht mag ein American Idol per Klick so auch im Schweizer Alpenland eine schlechte Figur hinlegen oder der knorke Getto-Superstar "Coolio" in der Nostalgie einer erwachsenen Jugendbande wieder Gangstas Paradise trällern, lieber spiele ich meine Stückeln in meinen eigenen vier Wänden, bevor ich weltberühmt aber ausgenutzt werde! Sicher, man könnte sich auch arrangieren, mit 50:50 kokettieren. Ein bisschen haben die Googles ja doch zu tragen, technisches Gerät und Kosten allerlei. Aber der Anwalt sagt, und im Ohr mir liegend ist er meiner, zuerst wird auf den Tisch gehaut und dann umso mehr gegessen. Am Ende bin ich auch nur ein Privater und zahle meine Zutaten selbst.

Gegens Volk

Da ist es schon gefallen, so unachtsam und rücksichtslos. Jenes Wort, das dem öffentlich Rechtlichen wenig schmeichelt, ihn so unselbstständig in der Ecke schmollen lässt. Herr und Frau ORF lassen sich von ihren "GISlingen" den Sold der Seher zu Füßen legen. Ihr Schaffen von der Allgemeinheit zahlen und erwägen allen Ernstes jetzt die Keule gegen eifrige Partizipanten und ihre Netzwerke zu schwingen, die sich erlauben die gemeinsam finanzierten "Echt Fetts" und Donnerstalks der "Wahren Weiten Welt" zu offerieren? Wehe dem, der denkt, die Portale seien eine Chance Angebote ohne zusätzlichem Aufwand auszulagern!

Goldwert

Was man selbst nicht im Stande ist zu schaffen, schafft hier der Verbraucher selbst. Legt Archive an und schickt die Produktionen im Handumdrehen um den Globus. Aber Klagen müssen noch geprüft werden, bevor man feierlich verkündet mit der "New Economy" Geschäfte zu planen. DVBT wird auf unsere Kosten durchgesetzt, aber ein potentieller "Revenue-Share" durch Google-Ads nicht einmal angedacht. Lieber wird eifrig das Messer gewetzt, um auch gleich den Zuckerbäcker auszuweiden. Ist die Gier gar so blendend, dass man im Glanz der frischen fetten Kuchenglasur nur sich selbst erkennt und Angst hat zuzubeißen? (Zsolt Wilhelm)

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    monatge: zsolt wilhelm
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