Liaty Pisanis "Der Spion & der Schauspieler"

15. März 2007, 17:34
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Macht & Dummheit: Der Plot erinnert an die jüngste Kennedy-Tragödie

Der Name der Autorin macht neugierig. Liaty Pisani, 1950 in Mailand geboren, hat mit Lyrik begonnen, dann das Genre gewechselt und Krimis geschrieben: weniger Highsmith und Psychologie, mehr Action wie bei Fleming mit High Tech, Spionage und politischem Komplott.

Wer den Roman zur Urlaubszeit zufällig an Amerikas Ostküste liest, auf Long Island oder Martha's Vineyard, den Inseln der Reichen, versetzt sich als Leser in das passende Szenario: George Kenneally, Spross einer wohlhabenden und mächtigen Familie, der Senator und später auch Präsident werden will, ist mit seinem kleinen Jet nicht weit vor der Küste abgestürzt. Kenneallys Freund, ein - warum das denn? - deutscher Regisseur und Schauspieler, glaubt an einen Auftragsmord. Beim Meditieren auf Mykonos trifft er den Geheimagenten Ogden, der eigentlich schon aufhören will, dann aber seinem aufklärerischen Drang nachgibt und sich noch einmal einspannen lässt. Ogden ist Pisanis James Bond, ein Alleskönner made in Italy. Er jagt die Schurken, die hinter dem Anschlag stecken und alle so wunderbar zur "Elite des reaktionären republikanischen Establishments" passen: ein pädophiler Ölmagnat aus New York, ein Waffenhändler und Drogendealer, ein rassistischer Viehzüchter und ein schwuler CIA-Agent, der sich schwarze Jungs aufs Hotelzimmer bringen lässt. Alle sind sie extrem mächtig, räumen jeden aus dem Weg, der die Geschäfte stört.

Der Plot erinnert an die jüngste Kennedy-Tragödie, den Flugzeug-Absturz von John F. Kennedy junior, der mit seiner bildschönen Frau Carolyn Bessette und deren Schwester Lauren im Juli 1999 vor Martha's Vineyard ins Meer stürzte. Und weil die Bücher in Deutschland besser verkauft werden als in Italien, macht es sich gut, wenn amerikanische Agenten von Berlin aus operieren, die Schauplätze Unter den Linden, Kempinski und Cecilienhof heißen und der Top-Agent Ogden alles daransetzt, seine bedrohte Freundin Verena zu retten, selbst wenn er dafür "den Flughafen Tegel in Schutt und Asche legen müsste" - eine aus verkehrsplanerischer Sicht verlockende Offerte, die dann zum Glück nicht eingelöst werden muss. Ansonsten riskieren Pisanis Agenten - anders als Bond - wenig für Frauen. Nur ganz zum Schluss, wenn Ogden alle Widerlinge beseitigt hat, wird der Leser daran erinnert, dass diesen Krimi eine Frau geschrieben hat. Es sei "unglaublich", lässt sie den CIA-Boss sagen, "wie dumm auch die intelligentesten Männer werden, wenn sie über große Macht verfügen." Nicht alles, was diesen Roman auszeichnet, ist frei erfunden. (Hans Werner Kilz / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 16.3.2007)

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