Chinesisch-Nachhilfe

17. März 2007, 17:00
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Nahe der U-Bahn Schönbrunn wartet das kulinarische Abenteuer - Bei einem Chinesen, der eigentlich nur für Landsleute kocht - Aber wie!

Familie Xu kommt, wie die Mehrzahl der Wiener Chinarestaurant-Betreiber, aus der kleinen Stadt Quingtian, südlich von Schanghai. Ihr Restaurant Xin Ya aber ist anders als die All-you-can-eat-Chinesen der Stadt, denen es zum Verwechseln ähnlich sieht. Die Speisekarte besteht aus einem in Plastik verschweißten Blatt, bedruckt in Mandarin. Zwar stehen auf der Rückseite auch ein paar Gerichte auf Deutsch - aber die sind reines Alibi. "Frühlingsrolle bestellt hier niemand", sagt Xu Zheng-Ho, ein Sohn des Hauses, "wir kochen nur für Chinesen - Touristen und Ansässige."

Feuertopf-Tage

Damit ist klar, warum man sich als Langnase im Xin Ya, keine 100 Meter von der U-Bahn-Station Schönbrunn, als erstaunt bis misstrauisch beäugter Exote fühlen darf. Das Essen ist es wert. Die großen, runden Tische sind fast ausnahmslos mit Chinesen besetzt, es geht lautstark und fröhlich zu, eine oder zwei Flaschen Schnaps stehen stets neben den Tellern mit lauter köstlich duftenden Speisen.

Mittwoch bis Freitag sind Feuertopf-Tage, da wird ein Buffet mit Austern, Venus- und Miesmuscheln, Tintenfisch, Oktopus, Schnecken, Garnelen, Krebsscheren, allerhand Fischbällen, Gemüse, hauchdünn geschnittenem Lammfleisch und mehr aufgefahren. Manches ist noch gefroren, aber nicht lang. Bei Tisch gibt es einen brodelnden, quer geteilten Topf mit scharfer und milder Suppe. Da lässt man die guten Sachen kurz garen, zieht sie durch eine der fantastisch aromatischen Saucen, und ab. So viel und so oft man will, um schmale € 15. Vorher gibt es kalte Vorspeisen für Mutige: Kutteln, Schweinsohren, Rindergaumen - alles fein geschnitten, leicht, großartig würzig.

Menüs nach Vorlieben

Aber auch à la carte gibt es große Entdeckungen. Die Familie stellt einem gerne Menüs zusammen, wobei Vorlieben und Empfindlichkeiten (Innereien, Krustentiere ...) erwähnt werden sollten. Auf die Erklärungen darf man sich nicht verlassen, köstlich wird's trotzdem. Im Ganzen gedämpfter Fisch, frisch aus dem Aquarium, in ingwerwürziger Sauce mit Frühlingszwiebel und Koriander etwa; knackiges Stangengemüse (ganz milder chinesischer Knoblauch?), der mit Schweinefleisch in köstlicher Sauce geschwenkt wurde; knusprige Schweinsrippen süßsauer, sehr gut; Teigtaschen in Suppe mit einer Fülle aus Fleisch und knackigen Wurzeln; Garnelen in der Schale mit süßlich-scharfem Aroma; dicke, kurze Reisnudeln mit Chinakohl und luftgetrockneter, zart süßlicher Wurst. Und noch viel mehr. Und kostet viel weniger, als man denken würde. (Severin Corti/Der Standard/Rondo/16/03/2007)

Xin Ya
Sechshauser Str. 99
1150 Wien
Tel.: 01/892 60 88
Tgl. 17.30-23 Uhr
VS € 2,50-5,50 HS € 5-13
  • Das Xin Ya ist bislang kaum auf Wiener Gäste eingestellt,...
    foto: gerhard wasserbauer

    Das Xin Ya ist bislang kaum auf Wiener Gäste eingestellt,...

  • ...was man auch an der Speiskarte erkennen kann
Das Essen? Ein köstliches Abenteuer

Fotos: Gerhard Wasserbauer
    foto: gerhard wasserbauer

    ...was man auch an der Speiskarte erkennen kann
    Das Essen? Ein köstliches Abenteuer

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