Pflegekräfte werden unterschiedlich und niedrig bezahlt

16. März 2007, 09:51
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Dornbirner Grüne kritisieren starke Differenzen in Gemeinden

Dornbirn - Pflegekräfte werden in Vorarlberger Gemeinden unterschiedlich und niedrig bezahlt. Gehälter für 70-Prozent-Anstellungen differieren bis zu 300 Euro, für Ganztagsjobs bis zu 400 Euro. "Warum bekomme ich nach zweijähriger Pflegehelferinnen-Ausbildung 300 Euro weniger als meine Schulkolleginnen, die in Nachbargemeinden angestellt sind?", fragte eine 49-jährige Berufsumsteigerin bei den Dornbirner Grünen nach. Grün-Politikerin Ingrid Benedikt recherchierte: "Dornbirn, die größte und eine der reichsten Gemeinden, zahlt am wenigsten."

Eine Pflegehilfe bekommt beim Einstieg in eine 70-Prozent-Stelle 952,13 Euro brutto, in Feldkirch aber 1297,10 Euro. Ähnlich ist die Entlohnung in Au und Hörbranz. Für eine Ganztagsstelle bekommen Pflegehelferinnen in Dornbirn 1329,90 Euro brutto, in Feldkirch 500 Euro mehr.

Gehaltsschema

Die Stadt Dornbirn begründet die niedrigen Löhne mit dem landesweiten Gehaltsschema für Gemeindebedienstete, an das man sich halten müsse. Gemeindeverbands-Geschäftsführer Otmar Müller hingegen sieht das Schema als Rahmen, die Gemeinden hätten durchaus Gestaltungsspielraum, um auf die Marktsituation zu reagieren: "Wenn ich jemand unbedingt haben will, zahle ich mehr."

Optionsmöglichkeit

Der "zweite Skandal" für die Grünen: "Eine diplomierte Pflegekraft bekommt nach dem neuen Schema mit 1707,91 Euro Einstiegsgehalt weniger als eine Pflegehelferin, die noch nach dem alten Schema entlohnt wird." Grund dafür ist die Optionsmöglichkeit, die mit der Reform des Gemeindebedienstetengesetzes 2005 eingeräumt wurde. Es gelten nun drei verschiedene Gehaltsmodelle. Das alte, das neue und für ausgelagerte Pflegeeinrichtungen ein eigener Kollektivvertrag. Die Grünen fordern nun die Neuverhandlung der Gehälter. Benedikt: "Wir wollen eine gerechte Entlohnung, die für alle gilt." (jub/DER STANDARD Printausgabe 15.3.2007)

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