Weltraumbahnhof mit österreichischem "Hausmeister"

23. März 2007, 18:04
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Reinhard Papp ist in Kourou der einzige ständig beschäftigte Österreicher - seit fünf Jahren geht er seiner Aufgabe nach

Kourou - Man könnte ihn "Hausmeister" im europäischen Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana nennen, und er selbst hat auch gar nichts gegen diese Bezeichnung einzuwenden: "Das ist ein wertvoller Beruf", so Reinhard Papp. Der einzige im Centre Spatial Guyanais (CSG) ständig beschäftigte Österreicher und Qualitätsmanager beim französischen Konzern Cegelec ist für seine Firma im Weltraumzentrum für die Instandhaltung, Wartung und Versorgung der Bodeneinrichtungen zuständig. Seit fünf Jahren sorgt der 59-jährige Nachrichtentechniker mit seinen Kollegen für optimale Bedingungen für die millionenteuren Satelliten bei den Vorbereitungen für den Start.

Cegelec, ein französischer Konzern mit weltweit 26.000 Mitarbeitern und drei Mrd. Euro Jahresumsatz, plant, installiert und wartet Systeme für Industrie, Infrastruktureinrichtungen und den Dienstleistungssektor. Die Wurzeln von Cegelec-Österreich mit heute rund 280 Mitarbeitern finden sich in der AEG Anlagen- und Automatisierungstechnik. Papp, der auf Grund seiner guten Französisch-Kenntnisse und seiner Abenteuerlust immer wieder Projekte im Ausland betreut hat, trat 2002 den Job in Kourou an. Seither ist er insgesamt acht Monate im Jahr in Französisch-Guayana, unterbrochen von zweimonatigen Heimat-Aufenthalten in Österreich.

Bunte zweite Heimat

Und er hat das tropische französische Übersee-Departement, das mit Ausnahme des besiedelten Küstenstreifens zu 90 Prozent von Regenwald bedeckt ist, lieben gelernt: "Wenn ich heimkomme nach Österreich, vermisse ich zwei Sachen: die Buntheit auf den Straßen von der Farbe der Haut der vielen verschiedenen Völker her und die jungen Menschen", verweist Papp darauf, dass jeder zweite der rund 200.000 Einwohner jünger als 20 Jahre ist und neben der kreolischen Mehrheit ein gutes Dutzend asiatische, afrikanische und südamerikanische Minderheiten sowie etwa zehn Prozent Weiße in Französisch-Guayana leben.

Doch das "beschauliche Land" mit karibischem Flair steht in krassem Gegensatz zur Hochtechnologie und strengsten europäischen Standards, die im Weltraumbahnhof vorherrschen. Einer der Hüter dieser Standards ist Papp: Er und sein Team sorgen dafür, dass in den Hallen, wo die per Schiff oder Flugzeug angelieferten Satelliten ausgepackt, auf ihre Funktion getestet, aufgetankt und für den Transport ins All vorbereitet werden, alles stimmt. Das betrifft Reinraumbedingungen, Klimatisierung, Energieversorgung, alle notwendigen Utensilien und Werkzeuge, etc.. Das selbe machen Kollegen Papps in den Gebäuden, in denen die Raketen zusammengebaut werden sowie direkt an der Abschussrampe. "Unsere Verantwortung hört auf, wenn das Ding einen Zentimeter über dem Boden ist."

Kleine Ursache, große Wirkung

Wie wichtig in diesem Prozess Qualitätsmanagement ist und dass für jeden Handgriff das vorgeschriebene Procedere eingehalten wird, zeigt das berühmte Beispiel des Putzfetzens. Ein Mitarbeiter wollte nur Gutes tun und deckte an einem windigen Tag ein Stück Rohr mit einem Tuch ab, um es vor Staub zu schützen. Das Tuch wurde nicht entfernt, die Rakete musste kurz nach dem Start gesprengt werden. "Qualität ist, wenn man bei vorgeschriebenen Prozeduren Dinge nicht besser macht, sondern nur genau so, wie es vereinbart wurde", so Papp.

Qualifiziertes Personal ist offenbar in Französisch-Guayana nicht einfach zu finden, aber auch in Europa halte sich das Interessen in Grenzen, hierher zu kommen, so Papp. Deshalb würde er sich auch über mehr Interesse von Österreichern an der Arbeit in Kourou freuen. Gesucht würden derzeit u.a. Energietechniker, Projektleiter etc. Ideal wäre ein solcher Job für jüngere Personen mit perfekten Französisch-Kenntnissen, etwa als zweite Station ihrer Karriere. "Einige Jahre Tätigkeit hier sind sicher eine perfekte Visitenkarte für eine weitere Karriere in Österreich." Wenn man nicht, so wie Papp, gleich länger dort bleibt. (APA)

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    Reinhard Papp

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