"Führung wird zunehmend nervös"

10. September 2007, 13:56
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Afrika-Experte Mair glaubt im Interview aber, dass Mugabe 2007 politisch überleben wird - Entscheidend sei der Aufstand in der eigenen Partei

Standard: Wächst in der Regierungspartei Zanu-PF der Widerstand gegen Mugabe?

Mair: Den Widerstand gibt es definitiv. Es kommt nun darauf an, ob sich die zwei Fraktionen in der Partei auf einen gemeinsamen Weg um seine Nachfolge verständigen und dies Mugabe alternativlos vor Augen stellen. Beim Parteikongress im Dezember ist Mugabe mit seinem Vorhaben, sein Mandat von 2008 auf 2010 zu verlängern, nicht durchgekommen.

Wenn sich die Partei einigt, kann es sein, dass er auch nicht mehr bis 2008 regieren kann. Denn die wirtschaftliche Lage ist mittlerweile so desolat, dass auch die Führungsriege der Zanu-PF die Folgen spürt. Und die massiven gewaltsamen Übergriffe zeigen, dass die Führung zunehmend nervös wird. Je mehr Mugabe die Situation von sich aus eskalieren lässt, desto mehr Parteileute werden sich also fragen, ob sie das noch mittragen können.

Standard: Wetten Sie, dass er 2007 politisch nicht überlebt?

Mair: Ja.

Standard: Welche Leute hat Mugabe noch hinter sich?

Mair: Militärs, andere Sicherheitskräfte und die engere Führung der Zanu-PF. Trotzdem ist die Gefolgschaft an einem bestimmten Punkt keine Frage der Überzeugung mehr, sondern entscheidend ist, wer die größeren Machtmittel in der Hand hat. Eine geeinte Partei hätte das und ich denke nicht, dass die Loyalität in der Armee dann sehr weit geht. Die vergangenen Jahre haben jedenfalls demonstriert, dass die Fähigkeit der Opposition, die Auseinandersetzung auf die Straße zu verlagern, relativ gering ist.

Standard: Kann Mugabe die Wirtschaftskrise noch ändern?

Mair: Definitiv nicht. Ökonomen sagen, dass nur wenn er abgelöst wird und es eine wirtschaftliche Deregulierung gibt, relativ schnell eine wirtschaftliche Erholung stattfinden wird. Aber nur kurzfristig, für zwei, drei Jahre, dann wird es schwieriger werden. Denn in den letzten Jahren ist viel Infrastruktur zerfallen und Kapitalstock zerstört worden.

Standard: Südafrika hält sich mit Kritik zurück...

Mair: Südafrika könnte sehr viel mehr tun: Wirtschaftlichen Druck ausüben und Mugabe und seine Aktivitäten öffentlich kritisieren. Mugabe ist nicht empfindlich, wenn Kritik aus Europa und Amerika kommt, aber sehr empfindlich, wenn sie aus Afrika kommt. Bisher hat Südafrika nicht vermittelt, dass er den falschen Weg gegangen ist.

Standard: Was können die Europäer tun?

Mair: Die Europäer haben das, was sie machen können, ausgereizt. Es gibt Sanktionen und die Entwicklungshilfe wurde zurückgefahren. Man kann nur versuchen, den Leidensdruck aufrechtzuerhalten und das Gespräch mit den Mugabe-kritischen Kräften in der Zanu-PF suchen.

Standard: Hat die internationale Aufmerksamkeit dazu geführt, dass Oppositionsführer Tsvangirai freigelassen wurde?

Mair: Nein, das sind Reste von Rechtsstaatlichkeit, es gibt immer noch Richter, die sich nicht einschüchtern lassen. (Adelheid Wölfl/DER STANDARD, Printausgabe, 15.3.2007)

  • Zur PersonStefan Mair (43) von der Stiftung für Wissenschaft und Politik in Berlin sitzt im Beirat für „Zivile Krisenprävention“ der deutschen Regierung.
    foto: standard

    Zur Person
    Stefan Mair (43) von der Stiftung für Wissenschaft und Politik in Berlin sitzt im Beirat für „Zivile Krisenprävention“ der deutschen Regierung.

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