FPÖ-Kuscheloffensive

24. Juli 2000, 21:16

Von Eva Linsinger

Braun, plüschig, kuschelig: Ganz lieb ist er, der Jörgi-Bär. Und ganz oben in dem Paket, das die FPÖ für die "drei Weisen" zusammengestellt hat. Weitere Bestandteile der freiheitlichen Kuscheloffensive sind Parteiabzeichen, wegweisende Werke wie "So hat's Jörg gesagt und gemeint" und objektive Schilderungen wie das "Protokoll einer Vernaderung". Jörg Haider selbst fügt noch Kärntner Lieder hinzu - frei nach dem Motto: Jetzt noch die Reblaus, dann san s' waach.

Eine PR-Materialsammlung, die vor allem eines zeigt: für wie naiv die FPÖ die Weisen hält. Denn viel sagender als die Pakete, die sie den Prüfern ihres Wesens und ihrer Natur geschickt haben, sind die Teile des FPÖ-Puzzles, die darin fehlen: Die xenophoben "Stop der Überfremdung"-Plakate aus dem Nationalratswahlkampf 1999 wurden etwa mit dem Argument nicht versendet, dass es die Aktion einer Landespartei gewesen sei. Ganz so, als ob die FPÖ-Spitze nichts gegen diese Plakate hätte unternehmen können und noch nie zu Strafmaßnahmen gegen eine Landesorganisation gegriffen hätte: etwa insgesamt und kurzfristig ausgeschlossen wie die Salzburger.

Auch das umfangreiche Beweismaterial fehlt, mit dem der Grüne Peter Pilz seinen Prozess gegen Jörg Haider gewonnen hat. Es hat die Höchstrichter so überzeugt, dass Pilz seither Haider ungestraft einen "politischen Ziehvater und Ideologen des rechtsextremen Terrorismus" nennen darf. Auch auf Atmosphärisches hat die FPÖ weitgehend verzichtet: Videos von den Aschermittwoch-Reden Haiders in Ried fehlen ebenso wie jenes vom berühmt-berüchtigten Auftritt vor ehemaligen Waffen- SSlern in Krumpendorf.

Dabei sind es genau diese Grenzgänge und "Ausrutscher", die das Misstrauen der EU-14 gegenüber der FPÖ und Haider hervorrufen. Mit Plüschbären und Positivpropaganda wird sie diese Vorbehalte schwer wegkuscheln können.

Share if you care.