Pakistan: Frauenquoten im öffentlichen Dienst

30. März 2007, 13:58
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Frauenministerin Malik mit Wende unter Musharraf zufrieden: Auch Gewaltschutz und Scheidungsrecht verbessert

Islamabad - Die pakistanische Frauenministerin Sumaira Malik hat die Fortschritte in ihrem Land bei der Verbesserung der Lage der Frauen seit der Machtergreifung von Präsident Pervez Musharraf 1999 betont. Bei einem Gespräch mit Außenministerin Ursula Plassnik am Mittwoch in Islamabad wies Malik auf die für die politischen Körperschaften und den öffentlichen Dienst eingeführten Frauenquoten hin.

Partizipation und Gewaltschutz verbessert

Selbst islamisch-konservative Parteien seien dadurch gezwungen, Frauen an der Politik zu beteiligen, sagte die Ministerin. Die kürzlich vom Parlament verabschiedeten Gesetze zum Schutz der Frauen seien Ergebnis des Engagements von Präsident Musharraf. Die pakistanischen Frauen wüssten dies zu schätzen. Malik räumte zugleich ein, dass es noch ein weiter Weg sei, um das "neue, moderne Pakistan, das wir wollen, aufzubauen".

Zur von Plassnik angesprochenen anhaltenden Gewalt gegen Frauen und die Zwangsehen in Pakistan meinte die Ministerin, heute gebe es gegenüber diesen Fragen eine größere Sensitivität. Nicht nur die Bundesregierung in Islamabad, sondern auch Lokalbehörden und die zahlreichen Medien des Landes widmeten sich diesem Thema. Heute sei man bereit, die Opfer zu unterstützen.

Scheidungen für Frauen erleichtert

Zudem gebe es eine Reihe von Gesetzesvorhaben, um Gewalttäter effektiv zu bestrafen. Scheidungsverfahren für Frauen sollen erleichtert und auch Verbesserungen im Erbrecht eingeführt werden. Außerdem wolle man gegen die Praxis vorgehen, Streitigkeiten zwischen Clans und Familien durch Frauenhandel beizulegen, sagte die Ministerin. Sie wies darauf hin, dass viele Ungerechtigkeiten gegen Frauen im Rahmen von Stammestraditionen unter missbräuchlicher Berufung auf den Islam begangen würden.

Abschreckendes Beispiel Afghanistan

Die pakistanische Gesellschaft sei gemäßigt, sagte Malik. Deshalb gehe man bei den Gesetzesvorhaben einen Mittelweg, der sich an den gesellschaftlichen Realitäten orientiere und der sich nicht nach den Radikalen im religiös-konservativen Lager oder allzu liberalen Kräften richte. Die Jugend sei auf einer Linie mit den Visionen Musharrafs von einem modernen Pakistan, zumal sie ja das abschreckende Beispiel Afghanistan vor Augen habe.

Plassnik: Noch viele traditionelle Rollenbilder

Außenministerin Plassnik lud Malik zu der von ihr initiierten Nahost-Frauenkonferenz Ende Mai in Wien ein. Von den Bemühungen der pakistanischen Regierung um Rechtsstaatlichkeit und Verbesserung der Frauenrechte gehe eine "Signalwirkung" für die Gesellschaft aus, so Plassnik. Allerdings bedeute dies nicht, dass alles eins zu eins umgesetzt werden könne, dem stünden noch viele traditionelle Rollenbilder und Vorstellungen im Wege. Man müsse deshalb behutsam und wohl überdacht vorgehen. (APA)

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    Sumaira Malik leitet das pakistanische Frauenministerium, das auch die Agenden der Jugend mitbetreut.
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