Millionenbetrug: Tiroler Unternehmerfamilie vor Gericht

16. März 2007, 09:49
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Staatsanwalt: Angeklagte haben "jeden Sinn für Realität verloren" und einen aufwendigen Lebensstil genossen

Innsbruck - Mit drei umfassenden Geständnissen hat am Mittwoch der für fünf Tage anberaumte Prozess gegen eine Tiroler Unternehmerfamilie am Innsbrucker Landesgericht begonnen. Der Staatsanwalt sprach von "zahlreichen Verbrechen" des Vaters und seinen beiden Söhnen, einer "sensationellen Schadenssumme" und "exorbitanten Spitzenbeträgen" von insgesamt 18,2 Millionen Euro. Sieben Vertreter von Privatbeteiligten brachten die Forderungen ihrer Mandanten vor.

Die Familie stelle keine kriminelle Vereinigung dar, vielmehr sei dem 43-jährigen Steuerberater, dem 45-jährigen Anwalt und deren Vater, einem Unternehmensberater, "irgendwann das Kerngeschäft" entglitten. Die Familie habe Immobilien- und Anlagegeschäfte getätigt und ihren potenten Kunden und Klienten Investmentmöglichkeiten angeboten. "Die Privatbeteiligten sind alle aus dem Kreis der Freunde, Klienten und Mitarbeiter der Familie", sagte der Staatsanwalt.

Aufwendiger Lebensstil

Verschiedene Ursachen hätten zu Kostenüberschreitungen geführt. Die "finanziellen großen Löcher" seien "aus anderen Töpfen gestopft" worden. "Dieser Teufelskreis hat sich immer schneller und schneller gedreht und endete in Veruntreuung und Betrug", schilderte der Staatsanwalt. Auch während der schon laufenden Ermittlungen und obwohl das Verfahren schon eingeleitet worden war, hätten sie weitere Betrügereien begonnen, um "noch schnell einigen Schaden abzuwenden". Dabei hätten die Angeklagten "jeden Sinn für Realität verloren" und weiter einen aufwendigen Lebensstil genossen.

Nötigung zur falschen Zeugenaussage

Der Familie wird unter anderem erwerbsmäßiger Betrug, Untreue, Beweis- und Urkundenfälschung, falsche Zeugenaussage, gefährliche Drohung, Verleumdung und Nötigung zur falschen Zeugenaussage vorgeworfen. "Man verliert leicht den Überblick", fasste Staatsanwalt Thomas Schirhakl zusammen.

Die drei Beschuldigten beteuerten vor dem Schöffengericht, dass sie zu ihrer Verantwortung stehen würden, mit "Reue und Einsicht" ihre "großen Fehler" eingestehen würden und umfassende Geständnisse dem Richter schon vorliegen würden. Der 43-jährige Erstangeklagte versicherte, dass sich in der Haft seine Sicht auf die Dinge verändert habe. Er hatte den "Überblick und das Maß verloren" gehabt. Der 45-jähriger Zweitangeklagte verteidigte sich unter anderem mit dem massiven Einfluss seines Vaters und seines Bruders, unter dem er gestanden sei. 2004 habe er einen Selbstmordversuch unternommen.

Untersuchungshaft

Die drei Angeklagten befinden sich in Untersuchungshaft. Die 65-jährige Mutter ist ebenfalls angeklagt. "Anscheinend ist sie aus Krankheitsgründen nicht vernehmungsfähig.

In der heutigen Verhandlung wird entschieden, ob man das Verfahren gegen sie ausscheidet", hieß es aus der Staatsanwaltschaft. Ein Urteil wird vorerst für nächste Woche erwartet. (APA)

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