Viel zu viele Kamele im australischen Outback

9. August 2009, 16:28
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Dromedar-Population dürfte mittlerweile etwa eine Million Tiere umfassen - Eindämmung durch Abschuss, Verhütung oder Einfangen noch nicht ausdiskutiert

Sydney - In einem sind sich die Fachleute in Australien einig: Die Zahl der im Outback lebenden Kamele muss reduziert werden. Die Schätzungen zufolge rund eine Million Tiere konkurrieren mit Schafen und Rindern um Nahrung, trampeln die Vegetation nieder und dringen auf der Suche nach Wasser in Siedlungen ein, wo sie nicht selten Rohre aufreißen und Menschen in die Quere kommen. Doch an der Frage, wie man der Plage Herr werden will, scheiden sich die Geister. Die Regierung erwägt eine Massentötung.

"Wenn ich ein Kamel wäre, würde ich es vorziehen, einfach eine Kugel in den Kopf zu bekommen"

Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die ersten Dromedare nach Australien gebracht - als Transportmittel durch die Wüste. Schätzungen zufolge verdoppelt sich die Population alle neun Jahre. Im Juli hat die Regierung umgerechnet elf Millionen Euro für ein Programm bewilligt, das den Einsatz von Scharfschützen vorsieht. Diese sollen vor allem aus der Luft Jagd auf die Kamele machen.

"Aus einem Hubschrauber heraus erschossen zu werden, ist eigentlich ganz human, auch wenn es brutal klingt", sagte Tony Peacock, der an der Universität von Canberra ein Forschungszentrum leitet, das sich mit eingeschleppten Tierarten befasst. "Wenn ich ein Kamel wäre, würde ich es vorziehen, einfach eine Kugel in den Kopf zu bekommen." Die Massentötung sei der effektivste Weg, des Problems Herr zu werden, sagt Peacock.

Einfangen und verkaufen ...

Das sehen nicht alle so. "Was passiert in 15 Jahren, wenn die Zahl (der Tiere) wieder gestiegen ist?" fragt Kamel-Exporteur Paddy McHugh. "Verschwenden wir dann wieder 20 Millionen Dollar?" McHugh verdient sein Geld damit, die Tiere zu fangen und ins Ausland zu verkaufen. In den vergangenen Jahren sei die Nachfrage rasant gestiegen, sagt er. Die Kamele würden in der Tourismusindustrie eingesetzt oder dienten schlicht als Fleischlieferant.

Allerdings stellt das Einfangen der Tiere eine nicht zu unterschätzende Herausforderung dar, wie Patrick Medway, Präsident der Umweltschutzorganisation Wildlife Preservation Society of Australia (WPSA), sagt. Schließlich könnten die Tiere bis zu 900 Kilogramm schwer werden.

... oder verhüten

Andere Experten plädierten für eine Geburtenkontrolle. Den Kamelen Verhütungsmittel zu verabreichen, sei besser, als ihnen eine Kugel zu verpassen, sagt Mark Pearson, Geschäftsführer der Tierrechtsorganisation Animal Liberation New South Wales.

Glenn Edwards, der für die Regierung ein Programm zur Dezimierung der Kamel-Population ausarbeitet, hält diesen Weg für wenig praktikabel: Selbst wenn es gelinge, die Tiere unfruchtbar zu machen, bestehe das Problem noch über Jahrzehnte hinaus. Denn ein Kamel werde bis zu 30 Jahre alt. Um katastrophale Umweltschäden zu verhindern, muss die Population seiner Einschätzung nach um zwei Drittel dezimiert werden.

Edwards kann sich auch vorstellen, dass ein Teil der getöteten Tiere zu Fleischprodukten verarbeitet wird. Eines steht für ihn allerdings fest: Noch lange zu zögern, könnte verheerende Folgen haben. "Wir müssen so schnell wie möglich handeln", sagt er. (AP/red)

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    Wildlebende Dromedare: Szenen wie diese gehörten eigentlich nach Nordafrika - dort gibt es aber keine mehr ... ganz im Gegensatz zu Australien.

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