Missbrauch: Kärntner Kinderarzt Wurst vorzeitig entlassen

16. März 2007, 09:51
57 Postings

87-Jähriger sollte 17 Jahre Haft absitzen- aus gesundheitlichen Gründen entlassen

Klagenfurt/Wien - Der inzwischen 87 Jahre alte ehemalige Kärntner Kinderarzt Franz Wurst, der Ende 2002 wegen Anstiftung zum Mord und sexuellen Missbrauchs zu 17 Jahren Haft verurteilt worden war, ist, wie am Mittwoch bekannt wurde, Mitte Februar aus gesundheitlichen Gründen aus der Strafhaft entlassen worden. Der Haftunfähige soll sich laut ORF Kärnten in einem Pflegeheim befinden.

Patenkind zum Mord angestiftet

Wurst war am 20.Dezember 2002 verurteilt worden, weil er sein Patenkind dazu angestiftet hatte, seine Ehefrau Hilde Wurst zu ermorden. Die wurde am 8. Dezember 2000 tot in ihrer Villa in Pörtschach aufgefunden. Zunächst war von einem Unfall die Rede, rasch geriet allerdings Thomas H., "Patenkind" des betagten Ehepaares, unter Verdacht. Er gab zu, die Frau auf Ersuchen des Primars erstickt zu haben. Begründung: Sie sei "im Weg gestanden". Die Vorwürfe des Patensohns gegen den bekannten Mediziner gingen aber noch weiter: Wurst habe ihn über Jahre hinweg sexuell missbraucht, sagte er aus.

Missbrauchsoper wurden immer mehr

Elf Tage nach der Entdeckung der Leiche seiner Gattin wurde der Primar schließlich festgenommen, in den folgenden Wochen und Monaten meldeten sich bei den Kriminalisten zahlreiche Männer und Frauen, die ebenso aussagten, von dem Arzt sexuell missbraucht worden zu sein. Tatorte: Das Landeskrankenhaus Klagenfurt, die Privatordination und ein Heim, in dem Wurst tätig war. Insgesamt 38 Missbrauchsopfer einigten sich im Jahr 2004 mit Versicherungen und dem Land Kärnten über eine finanzielle Entschädigung für die erlittenen Übergriffe. (APA, moe, DER STANDARD Printausgabe 15.3.2007)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Kinderarzt Franz Wurst

Share if you care.