Zum (Wieder-)Entdecken: Österreichisches Kino der 70er

14. März 2007, 13:55
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März-Schwerpunkt "Die verworfene Avantgarde" des Filmarchivs mit Filmen von Herbert Holba, Antonis Lepeniotis und Mansur Madavi

Wien - "Man kann die 70er Jahre als eines der freiesten wie mutigsten, reichsten wie tolldreistesten Jahrzehnte des österreichischen Kinos begreifen." Dieser Satz des Filmkritikers Olaf Möller macht neugierig auf die "Epoche des Aufbruchs", die vor allem von den obsessiven Filmemachern Herbert Holba, Antonis Lepeniotis und Mansur Madavi geprägt war. Für das Filmarchiv Austria kuratierte Möller die Filmschau "Die verworfene Avantgarde", die ab Donnerstag im Wiener Metro Kino zu sehen ist. Bei der am Montag (19.3.) startenden Diagonale in Graz ist als Auszug daraus Herbert Holba ein Special gewidmet.

"Das Schaffen Holbas (1932-1994) ist eine Referenz an die Cinephilie, an die Kraft des Aufbruchs", heißt es im Pressetext des Filmarchivs zur Werkschau des Autodidakten, der sich sowohl als Filmkritiker und Kinobetreiber als auch als Autor, Produzent und Regisseur einen Namen machte. Der "homme du cinéma", der Mann des Kinos, zeichnete im Verlauf seiner Karriere für einige Kurzfilme, einen abendfüllenden Spielfilm sowie drei Fernsehfilme mitverantwortlich. Bei der Diagonale sind seine Filme von 22. bis 24. März im KIZ Kino im Augarten zu sehen.

Autorenschaft

Holba bewegte sich in den 70er Jahren, dieser ersten Blüte des Fernsehens und der Sterbephase der alten Kinoindustrie, ebenso wie Lepeniotis und Madavi stets weit weg von den Pfaden des marktträchtigen und kommerziellen Films. Mit geringem Budget entstandene und von der eigenen Autorenschaft sowie im Geiste eines künstlerischen Ausdrucks geprägte Werke waren das Resultat einer Freiheit und Unabhängigkeit von Geldgebern im eigenen Schaffen.

Lepeniotis schuf Filme wie "Alkeste - Die Bedeutung, Protektion zu haben" (1970) oder "Das Manifest" (1974), Madavis Hauptwerk nennt sich "Die blinde Eule" (1979). Holbas einziger Spielfilm entstand 1971, an der Kamera stand Xaver Schwarzenberger: "Die ersten Tage" - ein Manifest für den Österreichischen Aufbruchs-Film. Umrahmt wird das gesamte Programm von Filmen von Tone Fink, VALIE EXPORT, Wilhelm Pellert, Ernst Schmidt jr. oder Ferry Radax. (APA)

  • Zu Fuß in der Straßenmitte in Richtung Votivkirche: "Alkeste - Die Bedeutung, Protektion zu
haben" von Antonis Lepeniotis
    foto: filmarchiv

    Zu Fuß in der Straßenmitte in Richtung Votivkirche: "Alkeste - Die Bedeutung, Protektion zu haben" von Antonis Lepeniotis

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