Südafrika leitet Wende seiner Aids-Politik ein

14. März 2007, 12:42
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19 Prozent der erwachsenen Bevölkerung infiziert - Fünfjahresplan soll endlich Verbesserungen bringen

Johannesburg - Die südafrikanische Regierung hat am Mittwoch einen Fünfjahresplan zur Reduzierung der HIV-Infektionsrate um 50 Prozent vorgestellt und damit eine Wende in ihrer Aids-Politik eingeleitet. In einem 120-seitigen Bericht kündigte die Regierung zugleich an, die Versorgung Infizierter zu verbessern, um 80 Prozent der Betroffenen zu erreichen. Außerdem dürften Erkrankte nicht länger stigmatisiert werden. Dies habe viele Menschen davon abgehalten, sich einem Aids-Test zu unterziehen.

Eine schlechte Koordination und das Fehlen klarer Ziele hätten dazu geführt, dass Aids zu einer der führenden Todesursachen in Südafrika geworden sei. Von 1997 bis 2004 sei die Sterblichkeitsrate um 79 Prozent gestiegen, heißt es in dem Bericht. 2005 lebten in Südafrika rund 5,5 Millionen Menschen mit dem HI-Virus, das entspricht 19 Prozent der erwachsenen Bevölkerung. Frauen zwischen 25 und 29 Jahren waren sogar zu 40 Prozent betroffen. Dem Plan der Regierung zufolge soll die Zahl der Neuerkrankungen bis 2011 um 50 Prozent sinken. Dazu müsse unter anderem mehr getan werden, um eine Verhaltensänderung unter jungen Leuten zu erreichen.

Der Plan muss noch vom Nationalen Aidsrat bestätigt werden. Die südafrikanische Aids-Politik stand jahrelang in der Kritik. So empfahlen Politiker Früchte wie Knoblauch und Zitronen als Mittel gegen die Krankheit, eine Behandlung mit antiviralen Mitteln wurde dagegen offiziell in Frage gestellt. Aids-Aktivisten begrüßten den Sinneswandel am Mittwoch. Der Fünfjahresplan sei eine hervorragende Reaktion auf die Epidemie, erklärte The Treatment Action Campaign. (APA/AP)

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