Pilz-Trick verhilft dem Boojum-Baum zum Überleben

21. März 2007, 16:03
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200 Millionen Jahre alte Pflanzenspezies kann extreme Trockenheit überdauern - in Wurzeln wachsender Pilz vergrößert Fläche zur Feuchtigkeitsaufnahme

Wien - Der Überlebensstrategie eines Extremisten aus dem Pflanzenreich sind Wissenschafter des Instituts für Pflanzenschutz an der Universität für Bodenkultur (Boku) Wien gemeinsam mit mexikanischen Kollegen auf die Schliche gekommen. Der einem Kandelaber ähnelnde Boojum-Baum, ein fast 200 Millionen Jahre altes biologisches Relikt, überdauert Temperaturen bis zu 50 Grad und extreme Trockenheit mit Hilfe eines speziellen Pilzes, der innerhalb der Wurzeln des Baumes lebt.

Die Wüste Baja California in Mexiko gilt als eines der trockensten Gebiete der Erde. Dennoch gibt es Extremisten aus dem Pflanzenreich, die hier überleben können. Der Boojum-Baum wird bis zu 25 Meter hoch, er hat einen mastförmigen Stamm und kurze Seitenäste, die nur bei ausreichendem Niederschlag Blätter bilden. Die Bäume wachsen höchstens drei bis vier Zentimeter pro Jahr, dafür können sie vermutlich 700 Jahre alt werden. Fortpflanzungsfähig sind die Pflanzen erst mit 50 bis 100 Jahren, dann werden die ersten Samen gebildet.

Unterstützendes Pilzgeflecht

Lebensgemeinschaften mit Pilzen an den Wurzeln gehen auch viele Bäume in unseren Breiten ein. Es handelt sich dabei allerdings um Ektomykorrhiza-Pilze, die ihr Pilzgeflecht um die Wurzeln aufbauen und so Wasser- und Nährstoffaustausch zwischen Baum und Boden erleichtern. Im Gegensatz dazu breitet sich das so genannte Endomykorrhiza-Gefecht der Pilze des Boojum-Baumes auch innerhalb der Wurzeln aus.

"Die Ergebnisse der Forschungen zeigen jedenfalls, wie Pflanzen sich mit Hilfe von Bodenmikroorganismen an trockene Umweltbedingungen anpassen können", erklärte dazu Horst Vierheilig vom Institut für Pflanzenschutz. Durch das Pilzgeflecht vergrößert sich die Oberfläche des Wurzelsystems mindestens um den Faktor 10, wenn nicht mehr. Dadurch können die Bäume etwa Feuchtigkeit wesentlich besser aufnehmen. Das dürfte auch im Hinblick auf den Klimawandel für unsere Kulturpflanzen an Bedeutung gewinnen. (APA)

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