Raus auf den Bau

23. März 2007, 17:13
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Frauen sind auf Baustellen nach wie vor eher selten anzutreffen - Erfahrungen in einer männerdominierten Branche

Wojciech Czaja sprach mit jenen, die ihren Weg dorthin gefunden haben, über ihren Werdegang und ihre Erfahrungen in einer von Männern dominierten Branche.

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"Immer wenn ich zum Frauenthema in der Architektur befragt werde, bekomme ich diese leichte Gänsehaut", erklärt Elsa Prochazka, Universitätsprofessorin und Architektin, die unter anderem an der Themensiedlung Frauen-Werk-Stadt mitarbeitete, "es ist, als ob man sein ganzes Leben lang einen Befähigungsnachweis erbringen müsste, nur weil man eine Frau ist. Ich bin diese Frage leid." Prochazka erinnert sich zurück: "Als ich 1973 mein Diplom gemacht habe, war ich die einzige Frau des gesamten Jahrgangs. Doch meine anfänglichen Erfahrungen waren durchwegs sehr positiv, denn ich war in einer derartigen Minderheitsposition, dass meine Situation eigentlich gar nicht thematisiert wurde." Im Zuge der Emanzipationswelle wurde auch Prochazka sensibilisiert: "Wenn ich zurückblicke, bin ich froh, dass ich nicht weiß, welche Aufträge mir vorsätzlich oder unbewusst vorenthalten wurden - nur weil ich eine Frau bin."

Unter den technisch orientierten Studien führt die Architektur die Statistik mit den meisten Studentinnen an. Im Verlauf der letzten Jahre kann für die Technische Universität Wien gesagt werden, dass etwa ein Drittel aller Architekturinskribierten weiblich ist. Ein bisschen anders scheint das Verhältnis bei den Raumplanerinnen gelagert zu sein (Anteil ca. 25 Prozent), Schlusslicht bilden die Bauingenieurinnen mit gerade einmal 15 Prozent.

Nach dem Studium ändert sich dann sichtlich einiges

Der Anteil der in der Architekturbranche beschäftigten Frauen beträgt 31,7 Prozent. Bei den Betriebsinhaberinnen schlägt der weibliche Anteil mit 13,4 Prozent zu Buche. Unter den Kammermitgliedern mit aufrechter Planungsbefugnis sinkt das Verhältnis gar auf sieben Prozent. Noch weitaus unproportionaler als bei den Architektinnen fällt der weibliche Anteil jedoch in jedem Fall in der praxisorientierten Baubranche aus, vor allem bei den Baumeisterinnen und Bauingenieurinnen. Bis heute zeigt sich das Gewerbe der Bauausführenden männlich dominiert.

"Ich habe zwar einige Zeit in einem Architekturbüro gearbeitet, doch ich habe relativ bald erkannt, dass ich auf die Baustelle hinaus möchte", sagt Baumeisterin Renate Scheidenberger, die in Wien das Managementbüro "Baukultur" betreibt, "daher habe ich zu einer ausführenden Firma gewechselt und daraufhin die Baumeisterprüfung absolviert." Nach siebzehn Jahren Berufserfahrung ist Scheidenberger heute auf der Bauherrenseite tätig und koordiniert Baustellen von der Planung bis zur Schlüsselübergabe.

Unternehmen "Baukultur"

Mit dem vor vier Jahren gegründeten Unternehmen "Baukultur", das hauptsächlich im Bereich von Althaussanierung und Dachgeschossausbau tätig ist, habe sie bisher nur positive Erfahrungen gemacht. "Das liegt einerseits am technischen Wissen, andererseits aber gewiss auch an der Tatsache, dass ich einen ungeheuren Respekt vor Bauarbeitern und deren Leistung habe." Acht Stunden täglich in Lärm und Staub zu stehen und nebenbei auch noch Lasten zu schleppen, das sei schon ein Knochenjob, erklärt die Baumeisterin. Deshalb lehne sie auch jegliche Arroganz gegenüber Bauarbeitern ab.

Für Baumeisterin Maria Epple beispielsweise war der Weg ins Baugewerbe sozusagen vorgezeichnet. "Mein Vater hat eine Firma gehabt und da ich keinen Bruder habe, war es für ihn vorstellbar und sogar wünschenswert, dass ich in seine Fußstapfen trete", erklärt Epple. "Dass ich Baumeisterin werden will, wusste ich also schon mit vierzehn Jahren."

Zusätzlich zu ihrem Beruf als Baumeisterin ist Epple seit zwei Jahren Landesinnungsmeisterin des Burgenlandes. Es sei wie in jedem anderen Beruf auch: Wenn man sich engagiert und ein bisschen über den Dingen steht, dann falle man mit der Zeit schon auf. "Und so bin ich eines Tages darauf angesprochen worden, den Posten in der Bauinnung zu übernehmen. Dass ich eine Frau bin, spielte dabei überhaupt keine Rolle."

Im Augenblick ist Epple gerade da- mit beschäftigt, ein Forschungsprojekt durchzuboxen, das zum Ziel hat die Koordinationsabläufe auf der Baustelle zu optimieren - dadurch soll in Zukunft ein Großteil der Baumängel ausgeschlossen werden können.

Langfristig setzt sie sich für einen wirksamen Niedrigenergie-Standard und damit verbunden für erhöhte Wärmedämmung bei Häusern ein - und das mit hohem persönlichen Einsatz. Denn: "Viele sind der Meinung, dass die Baumeister durch ihre Baumaschinen den Großteil des Feinstaubaufkommens verantworten. Doch das ist nicht wahr", erklärt Epple, "die Menschen müssen nur ihre Häuser korrekt dämmen. Dann müssten sie auch weniger heizen." Damit könnte schon ein großer Teil des Feinstaubs vermieden werden. (DER STANDARD, Printausgabe 14.03.2007)

  • Baumeisterin Maria Epple beispielsweise war der Weg ins Baugewerbe sozusagen vorgezeichnet.
    foto: epple
    Baumeisterin Maria Epple beispielsweise war der Weg ins Baugewerbe sozusagen vorgezeichnet.
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