Der Weg auf den Desktop ist gefunden

20. September 2007, 11:36
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Vor langer Zeit hieß es, dass Linux auf Desktop-Rechnern bald zur Microsoft-Konkurrenz wurde, aber dieser Eindruck täuschte; doch nun ist es soweit

Linux als Alternative zu proprietären Betriebssystemen, wie etwa Microsofts Windows oder Apples MacOS X, ist schon seit langer Zeit ein Thema. ExpertInnen erwarteten seit Jahren, dass sich das freie Betriebssystem über den Servermarkt auch auf die Desktops ausbreiten würde und sie irrten.

Nun ist ein Weg gefunden

Doch nun zeigen sich neue Lebenszeichen am Horizont, wie das Wall Street Journal (WSJ) vermeldet. Die Chief Information Officers (CIOs) haben die Kosteneinsparungen von Linux im Serverbereich erlebt und sehen die Vorteile in anderen Bereichen - etwa der Datenspeicherung. Nun vermelden sich in den USA zahlreiche CIOs ihr Interesse dar, dass Linux nun auch auf den PCs der MitarbeiterInnen eingesetzt werden soll.

Es hat begonnen

Der Umstieg auf Linux hat schon begonnen. Waren es früher jedoch nur einzelne Rechner oder kleinere Unternehmen, die auf Linux setzte, so steigen nun auch große Kunden um und sorgen für weitere Impulse und eine wirkliche Alternative. Im letzten Monat kündigte etwa der Autohersteller PSA Peugeot Citroën an, dass Linux auf den Desktop-Rechnern von mehr als 20.000 MitarbeiterInnen installiert werden würde. Das US-Unternehmen Novell, welches bei Peugeot den Umstieg managen wird, hat zudem angekündigt, dass bereits einige weitere große Deals mit US-Institutionen abgeschlossen wurden.

Kostenfrage

Im Jahr 2006 führte eine interne Studie bei TRW Automotive Inc. zu dem Ergebnis, dass die PC-Strategie auf Linux "aus der Kostenperspektive" umgeschwenkt wurde. Das Unternehmen will dabei vor allem in seinen neuen Fabriken in Osteuropa auf Linux setzen.

Kostenvergleich

Das Wall Street Journal nennt auch einige Zahlen, die von den Firmen kommuniziert werden und die Kostenunterschiede zwischen Linux und Windows aufzeigen. Eine typische Novell-Lizenz für einen Einzelplatzrechner kostet mit 50 Dollar im Jahr deutlich weniger als eine entsprechende Windows-Lizenz, die mit rund 299 Dollar zu Buche schlägt. Im Großkundenbereich sind niedrigere Gebühren möglich, meint das Wall Street Journal, doch verlange Microsoft für ein Upgrade immer noch rund 199 Dollar.

Marktanteile wachsen

Die Analysten von IDC sehen in einer aktuellen Studie einen Anstieg der Linux-Marktanteile von 20,8 Prozent im Jahr 2006 auf über 30 Prozent in diesem Jahr. Ob die Verbreitung von Linux und weiteres Wachstum noch stärker ausfallen werde, hängt davon ab, ob Computerkonzerne wie HP oder Dell ihre Ankündigungen wahr machen und Linux verstärkt vorinstalliert auf ihren Geräten ausliefern werden.

Treue gehört Windows

Auch wenn es einige Linux-Distributoren anders sehen, zeigt sich auch deutlich, dass es zahlreiche Firmen gibt, die überhaupt kein Interesse an Linux hätte und loyal weiter auf Windows setzen würden, so das WSJ. Diese Unternehmen nennen als Hauptgründe für das Desinteresse an Linux und das Festhalten an Microsoft den Support für Office oder spezielle Unternehmensprogramme.

Unix-Ersatz

Aber Linux hat auch einen anderen Bereich erobert: als Ersatz für Unix. Aus Sicht zahlreicher CIOs und deren Unternehmen zeigt sich im Vergleich zu den Unix-Lösungen von Sun ein deutliches Einsparungspotenzial wenn Linux mit Intel-Chips kombiniert wird. Durch den Einsatz von Linux auf den Servern haben sich im Laufe der Zeit die "Berührungsängste" zum freien Betriebssystem immer mehr abgebaut. Der Einsatz auf dem Desktop erscheint vielen Unternehmen nun problemloser möglich als früher. Zudem hat sich gezeigt, dass Windows und andere Microsoft-Produkte für den Einsatz in Unternehmen vielfach zu überladen sind. Es wird somit für Funktionalitäten bezahlt, die man gar nicht nutzen kann.

Wartung und Schulungen

Obwohl die Preise für Linux-Installationen nicht die Gesamtkosten für die Wartung über ein PC-Leben inkludieren, hat die Preisgestaltung bei vielen Unternehmen das Interesse an Linux geweckt. Vor allem auch die aufstrebenden Wirtschaftsnationen werden zum Treiber für Linux. Einen entscheidenden Grund orten ExpertInnen hier vor allem in der Piraterie-Diskussion. Davor sich ein Land mit diesem Thema herumschlagen muss und Gefahr läuft als Buhmann an Microsoft Strafen zu zahlen, soll der Einsatz von Linux hier Sicherheit bringen. Es ist daher auch wenig verwunderlich, dass der eindeutigste Wechsel in Richtung Linux in Asien stattfindet.(red)

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