"Ärzte ersticken im Papierkram"

26. Juli 2007, 12:12
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Umfrage: Mediziner beklagen Bürokratie, Patienten kämen zu kurz - Eine wohnortnahe Versorgung wäre durch mehr unternehmerische Möglichkeiten erreichbar

Graz - Österreichs Ärzte ersticken im Papierkram, die Bürokratie wachse den Medizinern über den Kopf und die Patienten kommen zu kurz, warnt der steirische Ärztekammerpräsident Dietmar Bayer.

Steirische Ärzte befragt

Einen aktuellen Befund liefert ihm jetzt eine Umfrage des Linzer Meinungsforschungsinstitutes Market unter 600 steirischen Ärzten. Drei Viertel der Vertragsärzte empfinden demnach ihre Arbeitssituation als wesentlich verschlechtert. Es liege am "Verordnungswahn", an der "Verrechtlichung der Medizin" und daher bleibe "zu wenig Zeit für Behandlung". Sämtliche andere "freie Berufe" wie Architekten, Apotheker oder Rechtsanwälte verfügten über wesentlich bessere Voraussetzungen als Ärzte, klagen die Mediziner.

Diskussion um wohnortnahe Versorgung

Eine weitere Ursache des Unmutes der Ärzteschaft liegt in der legistischen Einengung des Berufsstandes, sagt Bayer, der mehr unternehmerische Möglichkeiten für die Ärzte von der Wirtschaftskammer einfordert. Bayer weist darauf hin, dass Ärzte die einzige freie Berufsgruppe sei, die Kolleginnen und Kollegen nicht als Dienstnehmer anstellen dürfen. Was aber wesentliche Voraussetzung sei, um dem Wunsch von Politik und Bevölkerung nach längeren Öffnungszeiten der Praxen nachzukommen. Der steirische Gesundheitslandesrat Helmut Hirt hatte kürzlich gefordert, dass die medizinische Versorgung auch am Land rund um die Uhr ermöglicht werden solle. Zumindest in Ärztekammerchef Bayer hat Hirt jetzt einen Partner. Auch er sieht die wohnortnahe Versorgung speziell von Fachärzten als dringlich an. Entsprechende "Gruppenpraxen" scheitern aber auch am Widerstand der Kassen, kritisiert Bayer. (DER STANDARD, Printausgabe, Walter Müller, 14.3.2007)

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