Dr. Wissen lernt die Medien lieben

21. März 2007, 13:32
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Am Montag wurde wieder einmal der Gründungstag der Uni Wien gefeiert

Am Montag wurde wieder einmal der Gründungstag der Uni Wien gefeiert. Wissenschafter machten sich an diesem "dies academicus" bei der Diskussion "Wissenschaft für die Gesellschaft. Wissenschaft in der Gesellschaft" Gedanken über Aufgaben und Verantwortung von Wissenschaftern - und wie sie mit den Medien umgehen sollten.

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"Das Wirksamste ist der Dialog" betonte die Molekularbiologin Renée Schroeder. Das gelte ganz besonders für Gebiete, die in der öffentlichen Wahrnehmung so stark mit Emotionen besetzt sind, wie die Gentechnik.

Man habe aus der fehlgeschlagenen Wissenschaftskommunikation, die mit dem Gentechnikvolksbegehren 1997 ihren "absoluten Tiefpunkt" fand, gelernt. Es sei wichtig, "in einer verständlichen Sprache und nicht von oben herab" zu erklären, worum es gehe und wozu diese Forschung gut sei.

Der Philosoph Konrad Paul Liessmann warf ein, "dass es bei der Gentechnik nicht um die Ablehnung einer Wissenschaft, sondern um die einer Technologie ging". Angst entstehe dort, wo die Bevölkerung mit der Anwendung konfrontiert sei.

Er bezweifelte, dass Akzeptanz allein mit rationalen Argumenten zu erreichen sei. Gerade beim Thema Ernährung schwinge immer eine ganz besondere Bedeutung mit, die mit rationalen Argumenten oft wenig zu tun habe.

Das angemessene Verhältnis von wissenschaftlicher Neugier und dem Umgang mit den Folgeerscheinungen technologischer Entdeckungen sei eine Gratwanderung. Manchmal genüge ein Blick auf die Erwartungen der Vergangenheit, um zu sehen, dass Skepsis angebracht sei. Obwohl man schon vor fünfzig Jahren glaubte, die Nachfahren könnten die Endprodukte der Kernenergie problemlos lagern, habe sich diese Erwartung nicht erfüllt.

Am Leben erhalten

Der Quantenphysiker Anton Zeilinger merkte zum Skeptizismus gegenüber naturwissenschaftlicher Forschung mit Blick in das Auditorium an, dass "wohl viele, die in diesem Raum sitzen", ohne die moderne Naturwissenschaft aufgrund ihres Alters nicht mehr am Leben wären. Technikfolgenabschätzung sei gut, sofern sie vorhandenes Wissen berücksichtigt, sagte Zeilinger. Auch Georg Winckler, Rektor der Universität Wien, betonte die positiven Auswirkungen der Wissenschaft. Unser Wohlstand gehe zu einem großen Teil auf die moderne Wissenschaft zurück.

Bei der Wissenschaftskommunikation sieht Winckler den Weg in der Personalisierung: "Damit Wissenschaft Anklang findet, muss sie Gesichter haben." Wer Zeilinger sehe, wisse, "das ist Quantenphysik". Dies sei gerade heute, wo Wissenschaft immer komplexer werde, wichtig.

Der Theologe Ulrich Körtner verwies auf den Kampf um die knappe Ressource Aufmerksamkeit. Er forderte daher, dass Wissenschafter den Umgang mit Medien besser lernen und hier unterstützt werden. "Allerdings müssen wir uns auch fragen, welchen Gesetzmäßigkeiten der Mediengesellschaft wir uns unterwerfen wollen", fuhr Körtner fort.

Die Entwicklung, mit Forschung bereits an die Medien heranzutreten, bevor noch richtige Ergebnisse vorliegen, sei bedenklich. Nicht selten müssten so genannte Knallergeschichten später zurückgezogen werden. Er forderte daher eine Entschleunigung im Wissenschaftsgeschehen.

Zeilinger, von dem man wirklich nicht behaupten kann, dass er den Umgang mit den Medien nicht pflegt, warnte vor einer allzu großen Orientierung an Öffentlichkeit und Medien: "Die interessantesten Zielsetzungen sind nicht immer die, die sich medial gut vermitteln lassen."

Auch den Einfluss auf die Bewertung von Wissenschaften über die "großen" Publikationsorgane wie etwa Science oder Nature sah er kritisch: Wissenschaft dürfe nicht nur an der Anzahl der Publikationen, sondern müsse vielmehr an der Qualität gemessen werden. (Sabina Auckenthaler/DER STANDARD, Printausgabe, 14.3.2007)

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