"Manchmal ist sie einfach so explodiert"

14. März 2007, 19:46
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Prozess um kopflose Leiche in Linz: Mutter bekennt sich nicht schuldig

Linz - Wie sieht sie aus, was wird sie sagen - jene Frau, die im Jänner 2005 ihre Tochter erschlagen, geköpft, verbrannt und den Leichnam in die Donau geworfen haben soll? Romana M. betritt Dienstagfrüh den großen Schwurgerichtssaal am Landesgericht Linz. Unbeholfen stolpert die 42-Jährige herein, wirkt geistig abwesend, unkontrollierte Zuckbewegungen von Kopf und Händen lassen schnell erste Zweifel an der durch Gutachten untermauerten Verhandlungsfähigkeit aufkommen. Laut Anklage (Mord und Leichenschändung) soll Romana M. in der Nacht zum 9. Jänner 2005 nach einem heftigen Streit ihre Tochter Sandra getötet haben. Sechs Tage später habe die Frau in einem Waldstück in Niederösterreich dann vom Leichnam ihrer Tochter mit einer Axt, einem Messer und einer Bogensäge Hände und den Kopf abgetrennt. Anschließend habe die Frau versucht, den Torso zu verbrennen. Wut und Schläge

Schädel ist verschwunden

Makaberes Detail: Der Husky der Familie schnappte sich in einem unbemerkten Augenblick eine abgetrennte Hand, Kriminalisten fanden diese später in einem Geräteschuppen. Den Leichnam und die Mordwerkzeuge soll Romana M. dann in Oberösterreich in die Donau geworfen haben. Der Kopf der Toten blieb bis dato verschwunden.

Ein Anklagepunkt, bei dem Verteidiger Andreas Mauhart einhakt: Ohne Kopf sei lediglich die Leichenschändung nachweisbar. "Die Todesursache und Todesart sind aber unbekannt. Sie könnte sich genauso umgebracht oder sich bei einem Unfall das Genick gebrochen haben", glaubt Mauhart. Die Angeklagte selbst, die sich nicht schuldig bekennt, antwortet nur zaghaft auf die Fragen von Richterin Katharina Neumayr, spricht von ihrer Tochter nur in der Gegenwart. Erzählt vor allem von den Problemen mit "Iri". Schnell wird dabei klar, was die Anklage mit einem "Mutter-Tochter-Ohnmachtsverhältnis" meint. Sandra M. gilt von Kindesbeinen an als Außenseiterin, wird vom Umfeld gemieden, leidet später vor allem unter den Zurückweisungen durch den Vater, verstümmelt sich regelmäßig selbst mit Rasierklingen.

Ihre Mutter versucht stets alles abzuschirmen, erträgt die unkontrollierten Wutausbrüche ihrer Tochter, lässt die regelmäßigen Schläge über sich ergehen. "Manchmal ist sie einfach so explodiert. Vor allem wenn sie vom Vater heimgekommen ist", flüstert Romana M. unter Tränen. An die Tatnacht könne sie sich "gar nicht mehr erinnern". Der Prozess wird am kommenden Freitag und Montag nächster Woche fortgesetzt. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD print, 14.3.2007)

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