Appell an die Türkei für Religionsfreiheit

14. März 2007, 16:56
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Bartholomaios würdigt EU-Perspektive

Wien - Österreich wird sich in der EU und in den Kontakten mit Ankara für die Religionsfreiheit und den Schutz der religiösen Minderheiten in der Türkei einsetzen. Das sagte Außenministerin Ursula Plassnik am Dienstag nach einer Unterredung mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. in Wien. Bei der Erfüllung der politischen Kriterien für eine türkische EU-Mitgliedschaft seien derzeit noch "große Defizite unübersehbar". Dazu gehöre insbesondere die Situation der religiösen Minderheiten, unterstrich Plassnik, die sich für ein "behutsames Heranführen der Türkei und ihrer Bevölkerung an europäische Werte und Standards" aussprach.

Die EU-Beitrittsperspektive der Türkei würde dazu beitragen, dass sich "die Probleme der Minoritäten verringern", hatte der Patriarch, der türkischer Staatsbürger ist, am Vortag betont. Die orthodoxen Christen müssten sich dann nicht länger als "Bürger zweiter Klasse" fühlen.

Am Dienstagabend wurde der Patriarch von Konstantinopel im Stephansdom mit dem Kardinal-König-Preis ausgezeichnet. Die feierliche Überreichung fand am dritten Todestag des langjährigen Wiener Erzbischofs in Anwesenheit aller Bischöfe Österreichs statt. Die von Kardinal Franz König ins Leben gerufene Stiftung "Communio et Progressio" ehrt damit die besonderen Beiträge des Patriarchen zum Religionsfrieden im zusammenwachsenden Europa sowie dessen ökologische Initiativen zur Bewahrung der Schöpfung.

In seiner Dankesrede drückte Bartholomaios I. laut Redetext seine tiefe Sorge um den Schutz der Umwelt aus und begrüßte die jüngsten EU-Beschlüsse zum Klimaschutz. Das vereinte Europa verlange nach einer "einheitlichen Sozialpolitik in friedlicher und fruchtbarer Zusammenarbeit der Völker".

An die christlichen Kirchen appellierte Bartholomaios I., alles daran zu setzen, den "Skandal der Spaltung" zu überwinden. Am Vortag hatte der Patriarch bei einem von Kardinal Christoph Schönborn und der österreichischen Bischofskonferenz gegebenen Essen das Zusammenwirken der christlichen Kirchen in Österreich als beispielhaft bezeichnet. (APA, red/DER STAANDARD, Printausgabe, 14.3.2007)

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