Kitzbühel: Spitalsübernahme krankt

14. März 2007, 19:46
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Krankenhaus wird weitergeführt, Zanons Pläne für Reha-Zentrum wackeln

Innsbruck - Überraschend hat der Kitzbüheler Bürgermeister Klaus Winkler (VP) verkündet, das stadteigene Krankenhaus nun doch weiterführen zu wollen. Wie berichtet, war längst entschieden, dass die Abteilungen von Kitzbühel dem nur zehn Kilometer entfernten Bezirkskrankenhaus St. Johann einverleibt werden und am Standort Kitzbühel ein Reha-Zentrum für Herz, Lunge und Stoffwechsel entsteht.

Winkler begründet die Kehrtwende primär damit, dass der das BKH St. Johann führende Gemeindeverband "unmögliche Bedingungen für eine Zusammenarbeit" gestellt hätte. Das jährliche Defizit von drei Millionen Euro soll auf unter die Hälfte gedrückt werden, sagt Winkler. Dazu soll die gynäkologische Abteilung geschlossen werden, die Abteilungen für Innere Medizin und Unfallchirurgie sollen aber bleiben. Wie viele der 150 Arbeitsplätze erhalten bleiben, sei noch nicht abschätzbar. Dem Reha-Zentrum erteilt Winkler keine grundsätzliche Absage, es könnte in frei werdenden Räumlichkeiten und einem Zubau realisiert werden.

Zanon empört

Konsterniert reagiert die für Gesundheitsfragen zuständige Landeshauptmannstellvertreterin Elisabeth Zanon (VP). "Das Vorgehen der Kitzbüheler ist verantwortungslos." Zanon verweist auf Beschlüsse der Landesregierung und will auf der Einhaltung der im Dezember getroffenen (aber nicht unterschriebenen) Vereinbarungen bestehen. Dem Krankenanstaltenträger Tilak legt sie nahe, die Kooperation mit Kitzbühel aufzulösen. Im Interesse der Patientensicherheit könnte Kitzbühel auch die Betriebsbewilligung für ein öffentliches Krankenhaus entzogen werden, sagt Zanon. Winkler gefährde die Einrichtung des Reha-Zentrums, für das im Auftrag der PVA die private Humanocare als Betreiber die Genehmigung hat. Die Humanocare könne das auch irgendwo anders machen, befürchtet Zanon einen Nachteil für Tiroler Patienten.

Kurt Grünewald, der Gesundheitssprecher der Grünen, wirft Zanon Konzeptlosigkeit vor. Monatlich würde Zanon andere Reha-Ideen formulieren, es gelinge ihr aber nicht, Projekte abzusichern. Zuletzt wollte Zanon das Krankenhaus Hochzirl in ein Reha-Zentrum für Neurologie umwandeln und löste damit heftige Proteste aus. (Hannes Schlosser, DER STANDARD print, 14.3.2007)

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